Verbraucher sehen den Einsatz von Pflanzenschutz kritisch und sind dennoch wissbegierig. Das zeigt sich, während Landwirt Thomas Fabry und seine Kollegin Annika Ahlers auf der Domplatte in Köln Passanten nach ihrer Meinung befragen.

#Roadtripagrar: "Allein das Wort!"



„Hey, wir sind zwei junge Landwirte, die den Stadt-Land-Dialog anregen wollen. Heute geht es um Pflanzenschutz.“ Mit diesen Worten läuft Thomas Fabry, der sich als Sprecher für die Landwirte versteht, an einem Freitagvormittag auf der Domplatte in Köln umher. Der emsige 24-jährige Student und Unternehmensgründer versucht dort Passanten vor seine Kamera zu locken. Seine Kollegin Annika Ahlers, in sozialen Medien bekannt als Erklärbäuerin, führt anschließend die Interviews vor laufender Kamera. Die beiden reisen eine Woche lang in einem alten, türkisfarbenen VW Käfer – einem Hingucker aus einem Oldtimer-Verleih – auf einem #roadtripagrar, der von Bayer Crop Science und der Landwirtschaftlichen Rentenbank gesponsert wird, durch Deutschland.
In Köln sind auch Maike Thiemann, zuständig für die Online-Kommunikation bei Bayer Crop Science, und ihre Praktikantin Lena mit von der Partie. Thiemann sorgt für einen reibungslosen Ablauf in der Unternehmenskommunikation. Schließlich soll Dr. Marco Harms, Entwicklungsleiter für Pflanzenschutz bei Bayer Crop Science Deutschland, später persönlich vor die Kamera treten und alle offenen Fragen der Städter klären.

Es gelingt Fabry recht schnell, redebereite junge wie alte Passanten von einer Videoaufnahme zu überzeugen. Rentner Martin Tobor aus dem Ruhrgebiet, ehemals Berufsschullehrer, irritiert das Wort Pflanzenschutz regelrecht: „Allein das Wort Pflanzenschutz! Wovor müssen wir die Pflanzen eigentlich schützen?“ Zwar blitzt im Gespräch mit den Städtern eine gewisse Unschärfe im Umgang mit dem Begriff Pflanzenschutz durch, er wird schon mal mit Dünger verwechselt. Doch unterm Strich ordnen ihn die meisten richtig ein und verbinden damit den chemischen Einsatz. Ein jüngerer Passant hat eine klare Einstellung: „Ich sehe es nicht als Schutz für Pflanzen, sondern als Mittel zur Unkrautvernichtung und Ertragssteigerung.“
„Ich sehe es nicht als Schutz für Pflanzen, sondern als Mittel zur Unkrautvernichtung und Ertragssteigerung.“
Eric Bruns, Passant, 


Ähnlich skeptisch gegenüber dem Zweck sind auch zwei Mädchen. „Bauern spritzen ja zum Beispiel auch Obst und Gemüse, damit es schneller wächst“, sagt die 21-jährige Julia aus Bayern. Ihre Freundin will das nun genauer wissen: „Einmal spritzt man ja gegen Insekten, aber spritzt man in Deutschland auch größtenteils wegen Wachstum?“ Sie schlussfolgert, wenn dem so sei, könnten Landwirte doch darauf verzichten, um Pflanzenschutzmittel weitestgehend zu vermeiden. Ein junger Mann fragt sich, ob Pflanzenschutz überhaupt umweltgerecht sein könne, wenn dafür Chemikalien verwendet werden. Eine ältere Dame spricht von „Großerzeugern“, die zum Beispiel Glyphosat häufiger einsetzten.

In Köln bestätigt sich, dass persönliche Wahrnehmungen rund um das Thema Pflanzenschutz bei Verbrauchern überwiegend negativ behaftet sind. Es herrscht ein gewisses Misstrauen gegenüber Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft, die womöglich auf Kosten der Umwelt gehen.

Ein Passant spricht auch die Sorge um seine eigene Gesundheit an und beklagt einen völlig intransparenten Produktionsweg. Verbraucher würden das Brot und Obst erst sehen, wenn es in der Ladentheke lande. Er wünscht sich mehr Aufklärung über die Herstellungsweise der Lebensmittel und vorhandene Rückstände im Endprodukt, die „negativ für den eigenen Körper sind“. „Weil ich die Inhaltsstoffe der Pflanzenschutzmittel nicht kenne, hätte ich gerne etwas detailliertere Informationen“, sagt eine ältere Dame.

Nach gut zwei Stunden haben Thomas und Annika genügend Eindrücke gesammelt. Außerdem haben sie noch ein zeitintensives Programm vor sich. Besonders Thomas schläft in dieser Woche kaum, weil er bis spät in die Nacht Videos schneidet, um diese zeitnah auf ihre Webseiten ‚erklaerbauer’ und ‚ich-liebe-landwirtschaft‘ hochzuladen. Ihr Reiseplan sieht nach der Station in Monheim, dem Hauptsitz von Bayer Crop Science, noch ein weiteres Ziel, den Damianshof in Rommerskirchen, vor. Dort befindet sich eine sogenannte Forward Farm von Bayer, so nennt der Konzern eine Kooperation mit Landwirten, die der nachhaltigen Wirtschaftsweise dienen soll.

Vor der Auffahrt auf das weitläufige Gelände von Bayer Crop Science nimmt der Pförtner ihre Personalien auf. Wäre die Rasenfläche nicht komplett vertrocknet, würde das Areal wie ein künstliches Paradies aus Grünflächen, Teichanlagen und Gewächshäusern aussehen. Annika sagt: „Hier sieht es ja aus wie bei Google.“ Das große Bayer-Logo auf dem Gelände mit Campus-Charakter verleiht ihm tatsächlich Silicon-Valley-Charme.

Entwicklungsleiter Harms ist vorbereitet. Annika berichtet ihm von den Wünschen der Verbraucher, mehr über die Zusammensetzung von Pflanzenschutzmitteln zu erfahren. Doch die konkrete Rezeptur ist natürlich geheim. Harms zweifelt daran, dass eine Erklärung der Gefahrstoffhinweise auf Pflanzenschutz-Kanistern zielführend ist. Es brauche Aufklärung über die toxikologische Unbedenklichkeit, wenn man in einen Apfel beißt. Vor der Kamera verweist er auf eine Transparenzinitiative von Bayer, die den Verbraucher förmlich erschlagen dürfte. Studien für eine Zulassung werden neuerdings ins Netz gestellt. Annika fragt ihn, ob „Pflanzenschutz eigentlich notwendig ist oder die Natur dies von selbst regelt?“ Harms vermeidet, über Ertragssteigerung zu sprechen, er betont den Verlust für den Landwirt. „Ein großer Teil des Ernteguts würde verloren gehen, sei es durch Schädlinge oder Pilze. Das macht sich für den Landwirt im Portemonnaie bemerkbar.“ Außerdem gebe es eine „globale Dimension“: Weil die Weltbevölkerung wächst, müssten auch Produktionszuwächse generiert werden. Für den Verbraucher auf der Domplatte dürfte dies als Begründung ein wenig zu weit hergeholt klingen.

Später, auf dem Damianshof, wird es konkreter. Landwirt Olligs hält zwei überzeugende Argumente in die Kamera: eine große behandelte gegen eine kleine ungespritzte Rübe.

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