Porträt

Post vom Präsidenten

Auf keinen Fall möchte Krawczyk in einem Elfenbeinturm leben und arbeiten.
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Auf keinen Fall möchte Krawczyk in einem Elfenbeinturm leben und arbeiten.

Torsten Krawczyk, seit knapp fünf Monaten Präsident des Sächsischen Landesverbandes. Wichtig ist ihm, authentisch zu sein.

Kaum einer würde das Ehrenamt eines Landesbauernpräsidenten übernehmen, wüsste er vorher, was da auf ihn zukommt. Es gilt, die hohen Erwartungen der Mitglieder zu erfüllen, sich auf jeder Regionalversammlung blicken zu lassen und bange Fragen über die Zukunft in unsicheren Zeiten ehrlich zu beantworten. Die Sitzungen in den Gremien auf Landes- und Bundesebene rauben Zeit und Nerven.

Torsten Krawczyk, seit knapp fünf Monaten Präsident des Sächsischen Landesverbandes, ist nicht der erste Spitzenvertreter der 18 Landesbauernverbände, die nach wenigen Wochen im Amt zugeben: „Dass es so heftig kommt, hätte ich nicht gedacht.“ Dabei hatte der 44-jährige Agraringenieur aus Großweitzschen im Landkreis Mittelsachsen nach seiner Wahl zum Vizepräsident vier Jahre Zeit, um sich auf die Nachfolge von Wolfgang Vogel vorzubereiten.

Richtig vorbereitet ist man nie

An der Seite seines großen Mentors, der nach zwölf Jahren altersbedingt aus dem Vorstand ausschied, lernte Krawczyk die Pflichten des hektischen Verbandslebens kennen. Und wenn es dann losgeht, „dann ist man doch nicht vorbereitet“, gibt er offen zu. Das habe nichts mit dem Arbeitspensum zu tun. Wichtig ist ihm, authentisch zu sein – und das kommt bei den Mitgliedern an. Mit seiner Präsenz und regelmäßigen „Briefen vom Präsidenten“ steht er in engem Kontakt mit der Basis.

In rasantem Tempo prasselten die Ereignisse zu Beginn seiner Amtszeit im Herbst 2019 auf ihn nieder: Unter der neuen Regierung in Sachsen wechselte das Agrarministerium von Schwarz zu Grün, die Bewegung „Land schafft Verbindung“ mischte Politiker und die Bevölkerung auf, wirbelte zudem mit Traktorenprotesten auch die Strukturen in den Bauernverbänden durcheinander. Unter Krawczyks Führung geht der Landesbauernverband auf die einzelnen Akteure zu, grenzt sich jedoch von der AfD ab.

Unterschätzt habe er die hohe Aufmerksamkeit der Medien, sagt er. Ständig kommen Filmteams zu seinem Landgut, die das Innenleben ins Visier nehmen und denen er Statements geben muss. Als sehr vorausschauend hat sich erwiesen, dass er sofort nach seiner Wahl die Betriebsleitung für Landwirtschaft, Biogasanlage und Dienstleistung an seinen Bruder übergeben hat. 1995 gründete der Vater den 420 ha großen Betrieb mit Pflanzenbau und Milchproduktion. Für die Familie ist Landwirtschaft nicht nur Beruf, sondern eine Lebenseinstellung. Seine Frau und die beiden Kinder stehen hinter ihm. Hieraus schöpft er die Kraft.

Die Milchkrise 2009 nahmen die Krawczyks zum Anlass, aus der Milchproduktion auszusteigen. Heute grasen auf dem hügeligen Grünland 90 Galloway-Mutterkühe und auf dem alten Gutshof stehen im Stall 40 Schweine. Sie tummeln sich gemütlich im Stroh und fressen gentechnik-freies Futter. Das auf dem Hof gewonnene Schweine- und Rindfleisch wird unter dem Markennamen „Westewitzer“ direkt vermarktet. Fast jedes Wochenende steigen Feste auf dem Landgut. Über den Zuspruch der Einheimischen freut sich insbesondere der Junior. Sein Anspruch ist, selbst gemachte Wurst und Fleisch in der höchsten Güteklasse anzubieten.

Raus aus dem Elfenbeinturm

Tagsüber kommen Schulklassen, die lernen, wie Landwirtschaft funktioniert. Wenn der Präsident Zeit hat, schaut er nach den seltenen Vögeln in der Voliere vor der Gaststube. Der leidenschaftliche Hobbygärtner weiß, dass er immer weniger Muse für die Pflege seines „Parks“ hinter dem Wohnhaus haben wird. Auch sein Schreibtisch verändert sich; immer mehr nimmt die Verbandspolitik Raum ein. Im Vorzimmer organisiert Assistentin Kathrin in enger Abstimmung mit der Zentrale des Landesbauernverbandes den Tagesablauf von Landwirt und Präsident.

Aus der beschaulichen Heimat kommen auch die Briefe, die Krawczyk an seine Mitglieder schreibt. Ausführlich berichtet der Präsident über seine Arbeit und Beschlüsse, was Verständnis weckt. Auf keinen Fall möchte Krawczyk in einem Elfenbeinturm leben und arbeiten. In den Zeiten der Unsicherheit für die Landwirte gelingt ihm damit ein Amtsstil, der nicht spaltet, sondern zusammenschweißt.

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