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Führungskräfte treffen viele Entscheidungen und haften mit ihrem Privatvermögen. Policen können finanzielle Risiken zum Teil abschwächen.

Wenn Automotoren Abgaswerte nicht einhalten oder Fleischfabriken zu Virenschleudern werden, kann die öffentliche Empörung groß werden. Aufmerksamkeit und Empörung sind aber nur die eine Seite der Skandal-Medaille, die andere sind Rechtsstreitigkeiten. Auch wenn es in Deutschland nicht so umfassende Klagemöglichkeiten für Verbraucher gibt wie in den USA mit ihren schnell in die Millionen gehenden Streitwerten – auch hierzulande gibt es längst Anwälte, die sich auf das Finden von Klägern für Sammelklagen fokussieren. Und hier gibt es Gefahr für Führungskräfte.

Denn es sind ja nicht anonyme Unternehmen, die einen Skandal verursachen, sondern konkrete Entscheidungen oder Entscheidungskomplexe einzelner Personen oder Organe – wie Geschäftsführungen. Wenn diese Entscheidungen zu Skandalen führen, gar mit kranken, verletzten oder getöteten Verbrauchern, drohen auch den Managern und Managerinnen Klagen: sei es direkt durch Verbraucher, sei es durch das Unternehmen, welches wiederum von Verbrauchern verklagt wird. Das wird teuer.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland Versuche, eine Haftpflichtversicherung für Unternehmensleiter einzuführen. Seit den 1930er Jahren setzte sich diese Art der Versicherung dann von den USA ausgehend durch. Mittlerweile sind auch in Europa und Deutschland D&O-Versicherungen üblich. Der Name stammt ebenfalls aus dem Englischen, denn versichert werden Directors and Officers. Klassische Zielgruppen sind Mitglieder von Vorstand, Geschäftsführung, Aufsichts- und Verwaltungsrat. Aber auch auf anderen Führungsebenen können versicherbare Personengruppen arbeiten wie etwa leitende Angestellte, Bereichs- oder Werksleiter. Und dies nicht nur in großen Unternehmen, auch in KMU und Start-ups können Risiken für das Führungspersonal bestehen.

Grundsätzlich sind D&O-Versicherungen nach dem Haftpflicht-Prinzip ausgestaltet, nicht als Kasko-Versicherung. Es werden also Schadenersatzansprüche gegen ein Organ und dessen Mitglieder abgewehrt. Daraus folgt:

  1. muss ein Schaden entstanden und nachweisbar sein.
  2. sind Vorsatz und wissentliche Fehlentscheidung nicht versichert, D&O-Versicherungen sind keine Freibriefe.
  3. kann ein Schaden nachgewiesen werden, findet häufig eine Beweislastumkehr statt, Manager und Unternehmen müssen dann vor Gericht nachweisen, dass die getroffene Entscheidung, die zum Schaden geführt hat, zum Zeitpunkt der Entscheidung auf Basis der vorhandenen Informationen die richtige war.
Spätestens jetzt ist deutlich, dass es um komplexe Verfahren geht, zumal diese meist gegen Organe gehen, Manager also im Sinne der Organhaftung beziehungsweise Haftungsgemeinschaft auch für Fehler von Mitarbeitern oder Vorstandskollegen einstehen müssen. Beispiel gefällig? Ein Beschäftigter des eigenen Bereichs veranlasst eine Überweisung, die in der Folge zu Schäden für das Unternehmen führt. Der Beschäftigte gibt an, dass seine Vorgesetzten informiert waren – dazu reicht eine CC:-Mail. Gesetzlich haften Manager mit ihrem vollem Privatvermögen.

Führungskräfte sollten also in ihrem eigenen Unternehmen und aus eigenem Interesse darauf achten, dass eine D&O-Versicherung existiert. Auch beim Wechsel des Arbeitgebers sind Manager und Managerinnen gut beraten, nicht nur über Aufgaben, Arbeitsbedingungen und Gehalt zu verhandeln, sondern sich auch mit dem Punkt Haftungsabsicherung auseinander- zusetzen. Dabei reicht es dann nicht, nur zu prüfen, ob eine solche Versicherung besteht. Grundsätzlich schützt die D&O-Versicherung gegen Ansprüche von außen (Kunden, Lieferanten, Fördermittelgeber, Aktionäre, Staat) und von innen (Haftung gegenüber dem Unternehmen). Die Komplexität der Rechtslage führt im Gerichtsverfahren oder auch schon davor beziehungsweise parallel in der Regel zu einem Deal statt einem Urteil. Auch das sollte bedacht werden und die Versicherungsbestimmungen darauf geprüft werden.

Doch jenseits von einer Versicherung ist eigene Vorsorge sinnvoll. Denn selbst wenn die eigenen Aufgaben sorgfältig und gewissenhaft gelöst werden, kann ein Schaden eintreten. Im Zweifel werden viele beklagte Unternehmen lieber Führungskräfte opfern, als selbst die Verantwortung zu übernehmen. Und es ist gesetzlich geregelt, dass D&O-Versicherungen immer einen Selbstbehalt haben, dessen Höhe mindestens 10 Prozent der Schadenssumme beträgt und erst beim 1,5-fachen Jahresgehalt gedeckelt ist. Mögliche strafrechtliche Konsequenzen sind sowieso nicht versicherbar. Führungskräfte sind also gut beraten, einen passend spezialisierten Anwalt parat zu haben für Abschluss und Prüfung einer D&O-Versicherung ebenso wie für die zu erwartenden Verhandlungen, wenn ein Schaden eingetreten ist und bewältigt werden soll.

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