Generationenwechsel

Neuer Schwung im Maklerbüro


Seit seine Kinder die Geschäfte übernommen haben, hält sich Vater Manfred Brauer im Hintergrund.
Foto: SB
Seit seine Kinder die Geschäfte übernommen haben, hält sich Vater Manfred Brauer im Hintergrund.

Das Handelshaus Hammer & Andersen blickt im September auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurück. Mit Julie und Justin Brauer steht seit zwei Jahren eine neue Generation vor.

Zwischen Hauptbahnhof und Speicherstadt residiert seit 1919 die Firma Hammer & Andersen. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg gründeten die Kaufleute Ernst Oskar Hammer und Carl Andersen das Unternehmen, das im Geschäftshaus Hopfensack 20 ein Büro eröffnete. Das Gebäude überstand die Bombennächte und auch das Unternehmen behauptete sich.

Handel mit Rapsöl und Biodiesel

In ihrem Büro handeln Julie und Justin Brauer heute mit Rapsöl und seinen Endprodukten wie Lebensmittelraffinat, Raffinat für technische Zwecke und Biodiesel. Vor zwei Jahren haben die Geschwister die Firma von ihrem Vater übernommen. Erstmals in der Geschichte von Hammer & Anderson stammt damit die nächste Geschäftsführergeneration aus der eigenen Familie.

Im Jahr 1904 begannen Ernst Oskar Hammer und Carl Andersen den Handel mit Lebensmitteln. Neben Margarinen, Hartfetten und Glycerin gehörten auch Zucker und Kakao zu den Commodities. Bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts war Hammer & Andersen exklusiver Vertriebspartner der Ölmühle Noblee & Thörl, die heute zu ADM gehört.

Als Manfred Brauer 1993 bei Hammer & Andersen einstieg, übernahm er zunächst einen Teil der Geschäftsanteile. 2004 kaufte er von seinem Partner Wolfgang Holz das gesamte Unternehmen und führte das Maklerbüro fünf Jahre lang allein. Für die Kinder war der Einstieg in die Firma zunächst kein Thema. Julie machte eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Justin studierte Jura, brach das Studium ab und arbeitete anschließend in einer Werbeagentur, wo er seine Ausbildung zum Mediengestalter in Fachrichtung Projektmanagement abschloss. Als er 26 Jahre alt war, wuchs in ihm der Wunsch, in den Betrieb des Vaters einzusteigen.

"Das war immer mein Traum", gesteht Vater Manfred, der es seinem Sohn nicht zu leicht machen wollte, Ein Jahr lang lernte Justin den Handel als Praktikant kennen, hörte bei den Verhandlungen zu, ließ sich die speziellen Gegebenheiten des Rapsölmarkts erklären. Die anschließende Ausbildung bei Hammer & Andersen dauerte weitere eineinhalb Jahre. Tochter Julie Brauer hatte schon seit 2005 die Buchhaltung der Firma übernommen. 2018 entschied sie sich, ganz in die Firma einzusteigen. Um die Grundlagen des Rapshandels zu verstehen, machte sie zunächst ein Praktikum in einer Ölmühle. Später wurde sie wie ihr Bruder vom Vater an den Handel herangeführt. "Man muss jeden Tag bereit sein, Neues zu lernen und sich Wissen anzueignen", beschreiben die Kinder eine Voraussetzung für eine erfolgreiche Karriere als Seiteneinsteiger. Beim Handel müsse man sich in die Situation beider Seiten hineinversetzen können, um einen Abschluss zu realisieren, mit dem Käufer und Verkäufer zufrieden sind.

Zusätzlich zum physischen Rapshandel wurde mit dem Handel auf dem holländischen Papiermarkt ein weiteres Standbein aufgebaut. "Das war Justins Idee", erzählt der Vater anerkennend. Vor sieben Jahren übertrug er die Verantwortung für den Papiermarkt seinem Sohn ganz. Heute machen diese Geschäfte rund die Hälfte des Umsatzes aus.

Broker werden immer gebraucht

Dass seine Kinder den Handel übernommen und erfolgreich weitergeführt haben, macht den Vater sichtlich stolz. "Die letzten Jahre waren ziemlich erfolgreich", freut er sich, warnt aber auch davor, dass man immer wieder "ups und downs" erleben kann. Über die Zukunft des Maklerdaseins macht sich Manfred Brauer keine Sorgen. Auch wenn die Zahl der Kunden auf dem Markt weiter sinken sollte – Broker werden immer gebraucht. "Wer passt heute zu wem, diese Frage jeden Tag neu zu beantworten, ist die große Kunst", so das Resümee des erfahrenen Händlers.

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