Wie stark werden Pflanzen durch kontaminierte Böden belastet? Ein Gründungsteam der Uni Kiel will neue Standards setzen, wenn es darum geht, die chemische Zusammensetzung von Gesteinen und Materialien zu analysieren.

„Mit Analysegeräten ist es ähnlich wie mit Waagen im Supermarkt: Damit sie genau 100 Gramm anzeigen, müssen sie mit einem festgelegten Referenzgewicht geeicht werden“, sagt Simon Nordstad. Der 28-Jährige hat im vergangenen Jahr sein Masterstudium der Geowissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) abgeschlossen. „Die Geräte werden technisch zwar immer besser, aber die Entwicklung der Referenzmaterialien kommt nicht hinterher.“ Hier setzt die Idee des Gründungsteams aus den Geo- und Materialwissenschaften der CAU an: Mit einer neuen Methode wollen sie bessere Referenzmaterialien für Industrie und Wissenschaften herstellen, damit Analysen von Bestandteilen fester Stoffe noch genauer werden. Interessant ist das zum Beispiel für Bereiche wie Bergbau, Klimaforschung, Archäologie oder Medizin.   

Grundsätzlich wird die Zusammensetzung von Mineralen oder Gesteinen mithilfe sehr feiner Laserstrahlen analysiert. Zur Einstellung dieser Analysegeräte dienen Referenzmaterialien, die aus dem Ausgangsstoff selbst fein gemahlen und in Tablettenform gepresst werden. Bislang waren diese sogenannten Pellets jedoch zu grobkörnig, um exakte Analyseergebnisse liefern zu können.

Mit ihrem speziellen Mahlverfahren kann das Kieler Gründungsteam aus allen Ausgangsstoffen winzige Körner auf Nanoebene herstellen. „Eine vergleichbare Homogenität und Reinheit konnte bisher in Pellets nicht erreicht werden. Dank dieser Qualität lassen sie sich als individuelle Referenzmaterialien herstellen, um Messgeräte wie zum Beispiel Massenspektrometer zu kalibrieren“, erklärt Dr. Dieter Garbe-Schönberg vom Institut für Geowissenschaften, der das Projekt als Wissenschaftlicher Berater begleitet. Das Gründerteam nennt sein Projekt „µ-Standards“, ausgeschrieben „my-standards“. Gefördert durch ein EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Höhe von 120.000 € wollen die Studierenden und Alumni ihre Idee jetzt in einer eigenen Firma umsetzen.

 

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