Tierernährung

Forschung muss überzeugen können

Dr. Richard Grone arbeitet unter anderem im Labor am Institut für Tierernährung. Ein Gutteil seines Jobs ist aber die Aufklärung.
Bild: Privat
Dr. Richard Grone arbeitet unter anderem im Labor am Institut für Tierernährung. Ein Gutteil seines Jobs ist aber die Aufklärung.

Praxisnahe Forschung hilft Mästern wie Futtermittelproduzenten, davon kann der frisch promovierte Richard Grone ein Lied singen. Doch der Weg dorthin, dass neue Erkenntnisse auch angewendet werden, ist holprig.

"Eine Doktorarbeit ist ein Fulltime-Job", sagt der 28-jährige Richard Grone. "Dafür geht es bei uns am Institut recht zügig", fügt Grone hinzu. Er hat im Dezember 2018 am Institut für Tierernährung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) mit einer Arbeit zur Bedeutung der Eigenschaften von Futtergetreide für die Herstellung von Schweinefutter promoviert. Nicht einmal zwei Jahre hat es gedauert. "Tiermediziner mit anderen Promotionsschwerpunkten brauchen an der TiHo durchschnittlich schon zwei bis drei Jahre", erläutert er zum Vergleich.

Grone hat von 2011 bis 2017 an der TiHo Tiermedizin studiert, um nach elf Semestern seine Approbation zu erhalten. Nach dem Studium habe er sich als Allrounder gefühlt, der von allem ein bisschen weiß. Eine Spezialisierung, wie sie eine Dissertation mit sich bringt, reizte ihn schon während des Studiums. "Ich wollte mich tiefer in die landwirtschaftliche Nutztierhaltung mit dem Schwerpunkt Fütterung einarbeiten und mich nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch-handwerklich – oder wie man hier sagt: experimentell – betätigen", erläutert Grone. Im Studium der Tiermedizin beschäftigen sich die Studierenden neben landwirtschaftlichen Nutztieren auch mit Haustieren, dazu neben Hund, Katze und Pferd auch Exoten wie Schildkröten oder andere Reptilien.

"Außerdem ist man in Bezug auf die Lebenshaltungskosten eher noch bescheiden, sodass die geringe Vergütung während der Doktorarbeit gut zu verschmerzen ist. Andere Doktoranden in geförderten Projekten haben es da besser." Grone will darüber hinaus vorbeugend tätig sein und das Tier nicht erst behandeln, wenn es schon krank ist und Medikamente braucht. Dass sich Schweine gegenseitig die Ringelschwänze abkauen, sieht er grundsätzlich als Anreiz, sowohl Fütterungs- als auch Haltungsbedingungen im Stall auf Basis von neuen Forschungsergebnissen zu verbessern.

Derzeit arbeitet Grone als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei seinem Doktorvater Prof. Josef Kamphues am Institut für Tierernährung. Er koordiniert ein Projekt, das im Laufe seiner Doktorarbeit bewilligt wurde. Dafür werden Mastschweine unter kontrollierten Versuchsbedingungen mit unterschiedlichen Anteilen von Roggen in der Ration gefüttert. Das Getreide soll sich positiv auf Darmgesundheit und Mastergebnisse auswirken und sogar vor Infektionen mit Salmonellen bewahren.



Neuere Erkenntnisse aus dem Projekt zeigen, dass alte Empfehlungen für Roggenanteile im Futter zu niedrig sind. Mästen kann man Schweine mit höheren Anteilen in der Mischfutterration. Dieses Wissen muss Grone nun in die weite Welt tragen. Sein Job umfasst neben dem Publizieren und Lehren das Schreiben, dazu ein gehöriges Maß an Vortragstätigkeit. "Die alten Zahlen zur antinutritiven Wirkung von Roggen stecken tief in den Köpfen der Landwirte." Vor diesem Hintergrund sei auch der Anreiz für Mischfutterhersteller gering, ihr Angebot umzustellen. Schließlich wollten diese ihr Futter verkaufen.

Futter wird zu sehr zerkleinert

Glücklicherweise kann das Institut für Tierernährung auf ein reiches Netzwerk zu Landwirten und Futtermittelherstellern zurückgreifen. Grone präsentiert seine Erkenntnisse vor wissenschaftlichen Gremien, stellt sie aber auch Landwirten und Futtermittelherstellern vor. Über das Jahr verteilt, hält er ungefähr alle vier Wochen einen Vortrag. Während das verschulte Studium wochenlanges Büffeln hinter verschlossenen Türen mit sich brachte, fördert und fordert das wissenschaftliche Arbeiten nun mehr und mehr Grones Kommunikationsfähigkeit.

Von kleinen Fortschritten, wie der Bezug zwischen Wissenschaft und Anwendung in der Praxis geschaffen werden kann, kann Grone in puncto Vermahlung berichten. Experimentierfreudige Futtermühlen mahlen auch mal gröber, weil es nachweislich die Gesundheit der Tiere fördert.

Grone erklärt: "Der Dünndarm ist meterlang, da bleibt wirklich genug Zeit, Futter aufzuschließen. Das Futter muss nicht in dem Maße zerkleinert werden, wie es heute noch üblich ist." "Solche Erfolge machen glücklich", fühlt sich Grone in seiner Arbeit bestätigt. Allerdings gibt es immer noch einzelne Futtermittelproduzenten, die "staubfein gemahlen" für besonders geeignet erachten. Laut Grone verschleißt Technik unnötig bei hohem Energieaufwand.

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