Jan Ritter (l.) und Jacob Bussmann ergänzen sich gut.
Fotos: SeedForward/Maren Drießen
Jan Ritter (l.) und Jacob Bussmann ergänzen sich gut.

Wissenschaftliche Expertise, gepaart mit kaufmännischem Talent – so lautet das Erfolgsrezept der Gründer Jan Ritter und Jacob Bussmann. Nach einem gescheiterten Gründungsversuch wissen die Geschäftsmänner nun, worauf es ankommt. In ihrem Start-up SeedForward entwickeln die beiden organische Beizen.

„Einer der Hauptgründe, woran Start-ups scheitern, ist ein schlecht zusammengesetztes Gründerteam“, berichtet der Agrarwissenschaftler Jan Ritter aus seinem eigenen Erfahrungsschatz. In der südafrikanischen Stadt Hermanus, zweieinhalb Stunden südöstlich von Kapstadt entfernt, hat der 34-Jährige vor ein paar Jahren selbst erfahren müssen, wie die Unternehmensgründung der Ecocarbon Africa Ltd. schiefgelaufen ist. „Wir haben viel privates Geld verbrannt. Nach neun Monaten mussten wir schließlich aufgeben.“ Weder das Team habe gepasst, noch hätten sie sich rechtzeitig um eine nachhaltige Finanzierung gekümmert, erzählt Ritter. Er hat an der Universität Hohenheim studiert und war bereits für seine Masterarbeit nach Südafrika gegangen, um mit Pflanzenkohle als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft zu experimentieren.
„Wir haben viel privates Geld verbrannt. “
Jan Ritter, Technischer Direktor (CTO) bei Seed Forward, 

Neustart mit nachhaltiger Finanzierung

Dort lernte er auch Mitgründer Jacob Bussmann kennen. Der 29-jährige Forstwissenschaftler hat für ein Master- und Gründungsprojekt an der Universität Wageningen Biobrennstoffe in südafrikanischen Townships erforscht. Nach gemeinsamem Scheitern mit Ecocarbon Africa Ltd. wagten die beiden einen Neustart und gründeten die Firma SeedForward. „Wir passen gut zusammen. Jacob ist ein sehr guter Operator und ich koordiniere die Forschung und Entwicklung“, sagt Ritter. Gründerteams, die sich komplett aus Wissenschaftlern zusammensetzen, kämen meist nur schleppend voran, meint Ritter. Er verbringt viel Zeit im Labor, koordiniert Forschungsprojekte, leitet zwei neu angestellte wissenschaftliche Mitarbeiter an. Darüber hinaus kümmert er sich um Zulassungs- und Förderanträge. Das Produkt, dessen Markteintritt SeedForward zur diesjährigen Aussaat plant, nennt sich „MaisGuard“. Die organische Beize enthält Nährstoffe, Wurzelstimulanzien, Bodenbakterien und Pflanzenextrakte. Erste Feldversuche bescheinigen den Gründern eine erhöhte Ertragsstabilität. Das gebeizte Mais-Saatgut wird vom deutschen Handelsunternehmen „L. Stroetmann Saat“ mit Sitz in Münster vertrieben.
Start-up SeedForward
Der 34-jährige Jan Ritter hat die Firma SeedForward gemeinsam mit dem 29-jährigen Jacob Bussmann im Jahr 2017 gegründet. Mittlerweile umfasst das Team acht Mitarbeiter. Die Gründer entwickeln organische Beizen für Saatgut. Erste Feldversuche bescheinigen den Gründern eine erhöhte Ertragsstabilität. Im Beiz-Cocktail sind Nährstoffe, Wurzelstimu<Gewollte_Trennstelle>lanzien, Bodenbakterien und Pflanzenextrakte enthalten. Als Erstes planen Ritter und Bussmann den Markteintritt zur diesjährigen Aussaat mit gebeiztem Mais-Saatgut namens „MaisGuard“ durch den Vertriebspartner L. Stroetmann Saat. Anschließend sollen organische Beizen für weitere Kulturarten wie Getreide und Raps folgen.


Um ihren zweiten Anlauf zum Erfolg zu führen und sich finanziell gut aufzustellen, haben Ritter und Bussmann alle Hebel in Bewegung gesetzt. Grundstock waren 135000 € Startkapital aus dem Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums. „Für den Antrag haben wir zwei Monate gebraucht. Er kommt einem vorläufigen Businessplan gleich“, meint Ritter. Spätestens nach sechs Monaten müssten Gründer sich um die Anschlussfinanzierung kümmern, ist Ritter überzeugt. Die Förderung sei wichtig, um den Prototypen in Ruhe entwickeln zu können, ohne sich Sorgen um das Gehalt machen zu müssen.

Als Anschlussfinanzierung bieten sich Gründerstipendien auf Länderebene an. Der Nachteil ist allerdings, dass man sich bereits für einen Firmensitz entscheiden muss. Ritter und Bussmann haben ihren im niedersächsischen Quakenbrück, doch langfristig wollen sie näher an Osnabrück ziehen, um dort eine Produktionskette aufzubauen. Zurzeit nutzen sie zwar kein Gründerstipendium von Niedersachsen, aber sie profitieren von einer Einrichtung, in der Geschäftsideen für den Agrar- und Ernährungsbereich entwickelt und betreut werden. Das „Seedhouse“ ist ein sogenannter Start-up-Accelerator, der sowohl durch Mittel des Landes Niedersachsen als auch durch die in Gründung befindliche Seedhouse Beteiligungs GmbH finanziert wird. In der Seedhouse Beteiligungs GmbH sammeln sich mehr als 20 mittelständische Unternehmen aus dem Nordwesten Deutschlands, vor allem aus der Agrar-, Food- und Digitalbranche. Dazu zählen die Landtechnikhersteller Grimme, Krone und Lemken, sagt Ritter. Die Gründer Ritter und Bussmann können dort Dienstleistungen im Wert von 10.000 € in Anspruch nehmen.

Darüber hinaus wird SeedForward zwei Jahre lang mit 250.000 € der Aloys und Brigitte Coppenrath Stiftung unterstützt und erhält Förderung von der „Gemeinnützigen Bruno Steinhoff Stiftung für Wissenschaft“. „Viele Start-ups denken gar nicht daran, sich an Stiftungen zu wenden. Aber es muss nicht immer Venture Capital sein“, sagt Ritter.

Auf mehrere Pferde setzen

Außerdem rät Gründer Ritter dazu, bei Investoren nicht nur auf ein Pferd zu setzen. Auch hier mussten die beiden erst schmerzlich aus Fehlern lernen. So hätten sie sich anfangs lediglich auf einen Investor verlassen, der kurzfristig abgesprungen sei, berichtet Ritter. Doch das Netzwerk der jungen Männer hat dabei geholfen, schnell für Ersatz zu sorgen. Bussmann ist deutschlandweit unterwegs, um SeedForward in einem sogenannten „Pitch“ vorzustellen. In Düsseldorf lernte Bussmann ein Ehepaar kennen, das in SeedForward investiert hat. Neben einer sicheren Finanzierung investieren die beiden Gründer bereits in ihre Führungsqualitäten. Dafür empfiehlt Ritter das „European Institute of Innovation und Technology“ (EIT). „Mit Leadership startet man am besten so früh wie möglich“, steckt sich Ritter die nächsten Ziele.

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