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Salat, Gemüse, Zander und Co aus heimischem Anbau


Im blauen Becken leben die Fische.
Foto: Hei-Tro Gmbh
Im blauen Becken leben die Fische.

Der 30-jährige Patrick Lempke hat eine Vision: In seinem Wohnort Wedel in Schleswig-Holstein will er schon bald eine „Aquaponik“-Pilotanlage betreiben. Für regional erzeugten Fisch und Salat sieht er gute Chancen – weniger Ressourcenverbrauch und Umweltaspekte sind seine Argumente.

Der gelernte Koch setzt auf Aquaponik, ein System, bei dem die Aufzucht von Fischen im Rahmen der Aquakultur mit dem Anbau von Pflanzen durch Hydroponik vereint wird. Aquaponik ist ein Kreislaufsystem, das bei einem minimalen Verbrauch an Ressourcen sowohl Pflanzen als auch Fischen optimale Wachstumsbedingungen bietet. Deshalb ist es eine effiziente und nachhaltige Methode, um Nahrungsmittel zu produzieren. Lempke will entweder Zander, Lachs- und Regenbogenforelle oder Karpfen züchten.

Der Vorteil von Aquaponik ist der geringere Ressourcenverbrauch. Denn Fisch ist im Allgemeinen ein besserer Futterverwerter. So braucht man bei den meisten Fischen nur rund 1,1 kg Futter, um 1 kg Tier zu erzeugen. Bei Rindern werden im Vergleich 6,8 kg Futter gebraucht, bei Schweinen 2,9 kg Futter und bei Geflügel 1,7 kg Futter. Das heißt, der Fisch wächst viel effizienter als andere Nutztiere. Hinzu kommen die geringen Emissionen von Stickstoff, Phosphat und CO2, welche zum Beispiel bei der Lachszucht um ein Vielfaches kleiner sind als bei der Rindermast, erklärt Lempke weiter.

Foto: Privat
„Aquaponik könnte die Zukunft unserer Ernährung sein. “
Patrick Lempke, 

Transparenz für die Verbraucher

Aus seinen Schilderungen wird ersichtlich, dass er bereits ein Netzwerk an Partnern im vor- und nachgelagerten Bereich anvisiert. Der junge Mann will sein Projekt zwar zunächst im Nebenerwerb realisieren, aber langfristig die umliegende Gastronomie mit seinem frischen Fisch versorgen. Die Fischbrut soll aus Zuchtbetrieben in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein kommen und die Pflanzensetzlinge aus einer Demeter- zertifizierten Gärtnerei in Hamburg. Die Pilotanlage soll nach seiner Vorstellung 200 bis 350 m2 umfassen.

Für seine regionalen Erzeugnisse sieht er vor allem großes Potenzial, weil sich immer mehr Menschen Gedanken darüber machen, wie ihre Lebensmittel produziert worden sind und woher diese stammen. Eine Aquaponik-Anlage in der Stadt bietet zudem Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Gegensatz zum Tiefkühl-Fisch aus Übersee oder Gemüse aus fernen Ländern. „Immer wieder schüttle ich meinen Kopf, wenn ich Erdbeeren aus Südafrika oder Brechbohnen aus Marokko in den Regalen des Lebensmitteleinzelhandels sehe.“ Lempke sagt, dass man schon heute Aquaponik nutzen könnte, um den steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln zu decken und dabei gleichzeitig unsere Umwelt zu schonen. Langfristig betrachtet könnte es die Zukunft unserer Ernährung sein, ist er überzeugt.

Um möglichen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Lempke Kontakt zu Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace und dem WWF aufgenommen, die sich für nachhaltige Aquakultur aussprechen. Wichtig ist ihm, von Anfang an miteinander im direkten Dialog zu stehen.

Die Voraussetzungen für sein Vorhaben sind günstig. Als erstes deutsches Bundesland besitzt Schleswig-Holstein seit März 2014 eine Strategie zur Entwicklung nachhaltiger Aquakultur. Das dürfte auch Lempke in die Karten spielen.

Kompetenznetzwerk unterstützt

Im Kompetenznetzwerk Aquakultur des Landes Schleswig-Holstein findet der Visionär einen geeigneten Ansprechpartner. Das Netzwerk ist offen für alle Interessenten und Institutionen. Das „KNAQ“ unterstützt unter anderem bei der Entwicklung von Produktionsstandorten, hilft bei Genehmigungen und stellt Kontakt zu möglichen Förderstellen her. Unterstützung erhält Lempke auch durch Axel Störzner, der selbst mit seiner Firma hei-tro GmbH Erfahrung in Aquaponik und der Erzeugung von Kräutern, Salaten, Gemüse sowie Tomaten hat, und ihn berät.

Lempke will sein Projekt noch in diesem Jahr realisieren. Die größte Hürde hat er aus seiner Sicht bereits genommen: „Ich habe die Grenzen in meinem Kopf überwunden. Man kann alles erreichen, wenn man fest daran glaubt und hart für seine Ziele arbeitet.“ Für den weiteren Erfolg wünscht er sich Kooperationen mit Unternehmen und Investoren, die auf der Suche nach land- und ernährungswirtschaftlichen Innovationen sind, und Landwirte, die nach Ideen und Inspirationen für ihren eigenen Betrieb suchen.


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