Verbandsarbeit

Zwei Macherinnen nehmen den Hut

Almut Hüneke (l.) und Beke Ostendorf beim Bauernball.
Foto: Privat
Almut Hüneke (l.) und Beke Ostendorf beim Bauernball.

Almut Hüneke und Beke Ostendorf haben als Sprecherinnen der Studiengruppe Kiel des VDL die Verbandsarbeit modernisiert. Zeit für eine Rückschau.

Ihre Zeit als Kieler Studentensprecherinnen neigt sich zwar dem Ende zu. Doch Mitglied im "VDL Berufsverband Agrar Ernährung Umwelt", der dem Nachwuchs Landwirtschaft und Netzwerk im Agribusiness nahebringen will, wollen die 26-jährige Beke Ostendorf und ihre 28-jährige Studienkollegin Almut Hüneke noch lange bleiben. Beide waren knapp fünf Jahre im zehnköpfigen Sprecherteam der Studierendengruppe Kiel an der Christian-Albrechts-Universität aktiv.

Organisieren und Kommunizieren

Neben der Organisation von Exkursionen ins In- und Ausland veranstaltet die Kieler Studierendengruppe des VDL einmal pro Semester einen großen Bauernball. Rund 500 Studierende reisen bundesweit zu diesem Event nach Kiel. "Ich liebe das Endergebnis. Wenn alles gut geht, ist das ein tolles Gefühl", sagt Ostendorf. "Sobald die Aufgaben an verschiedene Studierende verteilt sind, bin ich sehr gespannt, ob wir uns gegenseitig aufeinander verlassen können."

Die Masterabsolventin in spe wird wohl im September ihre Abschlussarbeit in landwirtschaftlicher Verfahrenstechnik einreichen. Ihre Kollegin im Ehrenamt, mit der sie außerdem seit dem 1. Semester befreundet ist, hat seit Kurzem ihren Masterabschluss in Nutzpflanzenproduktion in der Tasche. Die resolut wirkenden jungen Frauen teilen ein berufliches Ziel: Sie wollen den Nachwuchs an berufsbildenden Schulen auf die landwirtschaftliche Praxis vorbereiten.

Die verantwortungsvolle Aufgabe in der Studierendengruppe hat die jungen Frauen gut vorbereitet. "Ich habe gelernt, das Zepter in die Hand zu nehmen und gleichzeitig alle anderen mit ins Boot zu holen", sagt Hüneke. Einmal haben es die beiden nämlich verpatzt. "Es gab Ärger von anderen Mitgliedern des Sprecherteams", berichtet Hüneke.

Entsprechend hatten die beiden, die seit eineinhalb Jahren auch im Vorstand des Landesverbandes Schleswig-Holstein sitzen, das Semesterprogramm im Alleingang mit dem Landesvorstand entschieden. Anschließend mussten Hüneke und Ostendorf das wieder geraderücken und sich entschuldigen. "Das war etwas kopflos, aber aus Fehlern lernt man", reflektiert Hüneke.

Das Gremium
Die VDL-Studierendengruppe der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist ein Team aus zehn Bachelor- und Masterstudierenden aus Agrar, Ernährung und Umwelt. Die Gruppe ist Teil des Landesverbandes Schleswig-Holstein. Dem Bundesverband mit Sitz in Berlin gehören neun Landesverbände an. In diesem Jahr feiert der Bundesverband sein 100-jähriges Bestehen. Neben der fachlichen Weiterbildung bietet der VDL als Berufsverband die Möglichkeit des direkten Dialogs mit berufstätigen VDL-Mitgliedern.

Dass sich die Dinge trotz einer vermeintlich starren Verbandsstruktur ständig im Wandel befinden können, wissen beide nur zu gut. "Als wir zwei noch nicht im Gremium des Landesvorstandes waren, verlief die Kommunikation zwischen Geschäftsführung, Vorsitzenden und Studierenden etwas schleppend." Eigentlich habe es kaum Austausch gegeben und die Reichweite der Kieler Studierendengruppe war gering. Um das zu ändern, habe der Vorsitzende des Landesverbands Schleswig-Holstein, Dr. Rolf Schwerdtfeger, zu dem Hüneke und Ostendorf einen guten Draht haben, die engagierten Studentensprecherinnen als Beisitzerinnen in den Vorstand gerufen. "Seither treffen wir uns drei bis viermal pro Semester", berichtet Ostendorf.

Auch hier fehlt der Nachwuchs

Zwar müsse man keine großen Hürden nehmen, um als Sprecherin auf der Jahreshauptversammlung von den Mitgliedern im Amt bestätigt zu werden, aber "Organisationstalent und ein freundliches Wesen" seien eine gute Basis, meint Ostendorf. Kern der Verbandsarbeit sei schließlich der Umgang mit Menschen, besonders, diese auch zusammenzubringen.

Neue Mitglieder oder Teilnehmer am VDL-Studierendenprogramm zu gewinnen, könne ein durchaus zähes Geschäft sein. "In jüngster Zeit waren wir sehr frustriert, weil wir Busfahrten zu unseren traditionellen Exkursionen auf landwirtschaftliche Betriebe absagen mussten. Die Teilnehmerzahl war zu gering", erzählt Hüneke. "Wir mussten unser Konzept, das vor fünf Jahren noch bestens funktionierte, ändern." Eine Umfrage unter den Studierenden habe gezeigt, dass die jüngere Generation kaum Interesse habe, an Exkursionen teilzunehmen, für die sie sich Übernachtungsgelegenheiten organisieren müssen. "Jetzt suchen wir Ziele in naher Umgebung, die per Fahrrad zu erreichen sind", so Hüneke.

Die zwei jungen Frauen sind der Meinung, dass heute mehr landwirtschaftsfremde Erstsemester als früher das zulassungsfreie Studium der Agrarwissenschaften beginnen. "Die tragen dann nicht das ‚Landwirtschaftsvirus‘ in sich", meint Hüneke. Am Ende führe dies zu Studienabbrüchen. Das mache Verbandsarbeit umso wichtiger. "Unser Ziel ist es nach wie vor, den Erstsemestern zu zeigen, was Landwirtschaft bedeutet." Ihre künftigen Nachfolger treten in große Fußstapfen.

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