Neuer Präsident

Argentiniens Getreidehandel entfesselt

Mauricio Macri
-- , Foto: mauriciomacri.com
Mauricio Macri

Mauricio Macri tritt seine Präsidentschaft mit dem Versprechen an, den hart regulierten Getreidemarkt in Argentinien zu befreien. In der Agrarwirtschaft hat ihm das viel Zuspruch beschert. Hoch geschraubt sind die Erwartungen.

Die Ausfuhrzölle auf Weizen und Mais will Marci komplett abschaffen. Aktuell werden Abgaben von 23 Prozent für Weizen und 20 Prozent für Mais fällig. Flexible Exportquoten, die heute den Ausfuhrhandel regulieren, hat Marci ebenfalls auf der Streichliste. Bei Sojabohnen soll der Exportzoll von derzeit 35 Prozent sukzessive um 5 Prozent pro Jahr gesenkt werden, beginnen soll die Reduzierung 2016.

US-Getreidewirtschaft hat Konkurrenz im Blick

Erste Hochrechnungen gehen davon aus, dass die Maisexporte in den vier Jahren von Macris Präsidentschaft um 44 Prozent auf 23 Mio. t ansteigen werden. Die Weizenausfuhren sollen Prognosen zufolge von derzeit 4,3 Mio. t auf 11 Mio. t im Jahr 2018/19 nach oben klettern, zitieren Nachrichtenagenturen Analysten. Die Getreide- und Ölsaatenerzeugung soll in dem Zeitraum um 30 Prozent auf 130 Mio. t anwachsen.

Die Lobby der US-Getreidewirtschaft, das US Grains Council, teilt mit, den wachsenden südamerikanischen Wettbewerber im Blick zu behalten. Das umso mehr, da der im Vergleich zum US-Dollar schwache Peso den Argentiniern ohnehin schon einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Die Sojapreise in Chicago haben im Übernachthandel am Montag bereits deutlich Federn gelassen.

Exportsteuern nur ein Grund für schleppende Vermarktung

Aus dem hiesigen Agrarhandel sind unterdessen Stimmen zu hören, die vor zu viel Optimismus warnen. Exportsteuern und –quoten seien ein Grund dafür, dass die Ausfuhren schleppend verlaufen und die argentinischen Landwirte nur sehr zögerlich vermarkten. „Die schwache Inlandswährung bremst zusätzlich. Für die Farmer in Argentinien ist der Rohstoffbesitz daher auch Inflationsschutz“, heißt es aus dem Großhandel. Zwar hat sich Marci die Stabilisierung der Währung auch auf die To-do-Liste gesetzt. Doch dies zu erreichen, braucht nach Einschätzung von Beobachtern viel Zeit.

Die größten Auswirkungen wird der Macht- und Politikwechsel in Argentinien erwartungsgemäß auf den Sojamarkt haben, schätzen deutsche Marktteilnehmer. Mais von dort könne in der EU, die gentechnikfreie Ware nachfragt, nicht für Druck sorgen. Bei Weizen war Argentinien zwar zu früheren Zeiten schon Wettbewerber von Deutschland auf dem südafrikanischen Markt. Doch Händler gehen davon aus, dass Überschüsse in den kommenden Jahren im Handelsblock Mercosur bleiben werden. (pio)
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