Ernte 2017

Australien erwartet Erntedesaster

Trockenheit, Dauerregen oder Fröste in unterschiedlichsten Ausprägungen und fast immer zur falschen Zeit haben Weizen und Raps in den vergangenen Monaten in Australien schwer zugesetzt. Die Kulturen sind in äußerst schlechtem Zustand aus dem Winter auf der Südhalbkugel gekommen.

Das australische Amt für die Land- und Rohstoffwirtschaft (Abares) reduzierte in seiner September-Schätzung am heutigen Dienstag die Wintergetreideproduktion um 39 Prozent auf 36,3 (Vorjahr: 59,0) Mio. t. Schon die Juni-Schätzung war wenig verheißungsvoll. Bei Weizen erwarten die Analysten nur noch 21,6 Mio. t für 2017/18. Das sind 13,4 Mio t weniger als vor einem Jahr. Zuletzt gab es eine solch niedrige Ernte 2008/09. Allerdings sind die Ernteschwankungen in Australien von Jahr zu Jahr immer wieder sehr groß. Denn gegenüber 2015/16 beträgt der Rückgang bei Weizen nur noch 3 Prozent.

Auch bei Raps müssen die aktuellen Zahlen in das mehrjährige Mittel eingeordnet werden. So leiden die Rapsbestände in diesem Jahr sehr unter den Wetterextremen. Abares senkte seine Ernteprognose für die zum Jahreswechsel anstehende Ernte auf 2,75 Mio. t Raps. Im Vorjahr hatte Australien eine Rekordernte von 4 Mio. t Raps eingefahren. Ein Jahr zuvor 2015/16 waren es 2,8 Mio. t Raps und damit nicht so weit entfernt von den nun erwarteten 2,75 Mio. t.

Hitzestress im Winter

Große Schäden meldet Abares bei Gerste. Hier dürften die Farmer noch 8 Mio. t vom Feld holen, 5,4 Mio. t weniger als vor einem Jahr. Gegenüber 2015/16 beträgt der Rückgang 10 Prozent.

Ungünstige Wetterbedingungen in unterschiedlicher Art und Weise seien laut Abares Grund für die schweren Schäden nach den Wintermonaten auf dem Kontinent von Juni bis August. Auf der Südhalbkugel steht im Dezember die Ernte an. So gab in einigen Gebieten unterdurchschnittlich wenig Feuchtigkeit zu Beginn des Winters und zu viel im Juli und August. Zudem stressten im Juni und Juli Hitze und Regen im Wechsel die Pflanzen. Die größten Einbrüche gibt es in New South Wales. Dort kommt es zu den Ertragsausfällen wegen fehlender Niederschläge im Winter. Frost im August und Anfang September gab den schwachen Kulturen den Rest.

In nordwestlichen Gebieten ist das Getreide wegen schwerer Regenfälle im Wachstum schwer beeinträchtigt. Viele Flächen wurden "abgespritzt" umgebrochen oder als Weideland für das Vieh genutzt.

Hoffnung in Queensland

Abares will weitere Produktionsanpassungen bis zur Ernte im November und Dezember nicht ausschließen. Die Zahlen werden nur erreicht, wenn ausreichend und zur richtigen Zeit im Frühjahr Regen fällt, heißt es im aktuellen September-Bericht.

Analysten der National Australia Bank sind noch pessimistischer und stufen die Weizenproduktion 2017/18 auf ein Zehn-Jahres-Tief von 20 Mio. t ein. Aber es gibt auch kleine Hoffnungsschimmer. Das Handelshaus Nidera berichtet aus dem Frühdruschgebiet Queensland von guten Erträgen bei Weizen und Erbsen, obwohl es seit den schweren Regenfällen, die der Zyklon Debbi im März mit sich brachte, gar nicht danach aussah. (da)
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