Getreidebilanz

Bärenfutter aus Berlin und Brüssel

Die deutschen Getreidebestände sind in guter Verfassung. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) in seiner neuen Ernteschätzung. Dazu hätten das insgesamt kühle Wetter und die zum Teil ergiebigen Niederschläge maßgeblich beigetragen.

Seine Prognose für die deutsche Getreideerzeugung im Wirtschaftsjahr 2015/16 korrigiert der Verband leicht nach oben auf 49,7 (Vormonatsschätzung: 49,5) Mio. t und begründet dies mit größeren Anbauflächen für Getreide. Die Winterweizenernte schätzt der Verband ebenfalls etwas höher ein als im April und geht nun von 26,9 (26,7) Mio. t aus. Damit würde die Weizenernte aber hinter dem Vorjahresniveau von 27,8 Mio. t zurückbleiben, so der DRV weiter.

Positionierung nicht erforderlich

„Wir haben aktuell einen gut versorgten Markt, und es deutet sich an, dass die Versorgungslage komfortabel bleibt, beziehungsweise noch komfortabler wird“, kommentiert Guido Seedler, DRV-Warenwirtschaft, die hiesige und globale Marktsituation im Gespräch mit agrarzeitung.de. Neue Impulse für die weitere Preisentwicklung sieht Seedler momentan nicht: „Es gibt momentan wenig gute wie schlechte Nachrichten im Markt. Deswegen sehen alle Beteiligten wohl wenig Notwendigkeit, sich zu positionieren.“

Seine Prognose für die Erzeugung von Wintergerste konkretisiert der Verband und geht nun von 8,9 Mio. t aus, nachdem im Vormonat noch von rund 9 Mio. t die Rede waren. Die Wintergerstenernte würde rund 6 Prozent hinter der Vorjahresproduktion zurückbleiben, was der DRV mit wieder durchschnittlicheren Erträgen begründet.

Noch einmal nach oben gesetzt hat der Verband seine Erwartungen an den Maisanbau: Hier geht der DRV von einer Fläche auf dem Vorjahresniveau von knapp 482.000 ha aus. Deutlich gewachsen ist die Sommergerstenfläche: Dieses Getreide steht nun auf 366.000 ha, ein Plus von 5,8 Prozent auf Jahressicht.

Läger in der EU füllen sich weiter

Auch die EU-Kommission hat neue Prognosen für die Getreidebilanz im laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 und in der kommenden Saison 2015/16 veröffentlicht. Die Weichweizenerzeugung 2015/16 beziffert die Kommission mit 141,1 (Vorjahr: 148,2) Mio. t. Die Exporte veranschlagt Brüssel auf 27,1 Mio. t, das ist ein Rückgang von gut 4 Mio. t auf Jahressicht. Vergleichsweise großzügige Überhangbestände von 13,3 Mio. t Weizen zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres am 1. Juli 2015 und ein geringerer Verbrauch in der EU ermöglichen einen weiteren Bestandsaufbau: Zum Ende des Wirtschaftsjahres 2015/16 rechnet die Kommission mit Lagerbeständen von 16,2 (13,3) Mio. t Weizen. (pio)
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