Weizenvermarktung

Briten bieten exzellente Qualität


Obwohl exzellente Weizenqualitäten geerntet worden sind, die sich auf den Exportmärkten gut absetzen ließen, werden die Weizenexporte 2016/17 voraussichtlich geringer ausfallen als im Vorjahr. Denn von der kleineren Erntemenge wird mehr Weizen von den heimischen Mühlen, Futtermittelherstellern und Ethanolfabriken gebraucht.

Datengrundlage
Das Vermarktungsjahr für britischen Weizen könnte ungewöhnlich werden, zeigen drei Berichte, die in diesen Tagen in London veröffentlicht worden sind. Erstens hat das Agrarministerium (Defra) seine Ernteschätzung für Weizen und Gerste veröffentlicht, zweitens hat die Branchenorganisation AHDB neue Analysenergebnisse für die Weizenqualitäten bekannt gegeben und drittens hat die AHDB auf Basis dieser Informationen eine erste vorläufige Weizen- und Gerstenbilanz für 2016/17 erstellt. (db)
Die gesamte britische Weizenerzeugung schätzt das Londoner Agrarministerium (Defra) jetzt auf 14,5 Mio. t. Das Ergebnis ist 12 Prozent niedriger als die sehr hohe Vorjahresernte. Das Fünfjahresmittel von 14,7 Mio. t verfehlt die Ernte aber nur geringfügig. Überdurchschnittlich ist allerdings die Weizenqualität der bislang analysierten Proben. Die Branchenorganisation AHDB berichtet von der höchsten Ausbeute an Qualitätsweizen der vergangenen zehn Jahre.

Für alle aus der Ernte eingesandten Weizenproben hat AHDB einen mittleren Proteingehalt von 12,5 Prozent und Fallzahlen von 309 Sek. ermittelt. Beide Werte sind überdurchschnittlich. Lediglich das Hektolitergewicht ist bei der britischen Weizenernte 2016 mit 77 kg/hl schwächer als sonst – wie fast überall in Europa.

Mehr Weizen für Mehl, Futter und Ethanol

Experten des AHDB ziehen mehrere Schlüsse aus den Qualitätsergebnissen: Weil ein höherer Anteil der britischen Weizenernte als sonst von den heimischen Mühlen verarbeitet werden kann, muss weniger Qualitätsweizen importiert werden. Das niedrigere Hektolitergewicht führt aber dazu, dass die Müller mehr Rohware einsetzen müssen, um die gleiche Mehlausbeute zu gewinnen. Höher wird deswegen auch der Weizenbedarf in der Fütterung sein, vermutet AHDB. Schließlich rechnen die Londoner Marktexperten damit, dass die Ethanolfabrik Ensus der Cropenergies 2016/17 Weizen braucht. Sie hatte in der vergangenen Saison weitgehend stillgelegen.

Insgesamt geht AHDB davon aus, dass die Briten 2016/17 etwa 15,8 Mio. t Weizen im eigenen Land verbrauchen werden. Das wären 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Importe sollen dagegen um 17 Prozent auf unter 1,3 Mio. t zurückgehen. In dieser Konstellation ist bereits absehbar, dass die britischen Weizenexporte 2016/17 deutlich niedriger als im Vorjahr mit 2,8 Mio. t sein werden. Denn so viel Weizen steht gar nicht mehr zur Verfügung.

Schwache Währung bringt Exporte auf Touren

Dessen ungeachtet sind die Briten stark in die Weizenexportsaison gestartet. Nach den Daten der Zollstatistik sind im Juli und August 2016 mehr als 450.000 t Weizen exportiert worden, das ist die höchste Menge seit 2010/11. Die Marktexperten von AHDB weisen darauf hin, dass es sich vermutlich noch um alterntige Ware gehandelt haben dürfte, da die britische Weizenernte erst im August richtig auf Touren gekommen ist. Als weiteren Grund für die hohen Exporte nennen sie die schwache britische Währung, die seit dem Sommer als Folge der Brexit-Debatte unter Druck geraten ist. (db)
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