Enge Bilanz

Briten brauchen Weizen


Deutscher Weizen ist in Großbritannien gefragt.
-- , Foto: Rainer Sturm / pixelio.de
Deutscher Weizen ist in Großbritannien gefragt.

Das Londoner Agrarministerium Defra rechnet in seiner aktualisierten Getreidebilanz 2012/13 mit Weizenimporten von mehr als 2,5 Mio. t. Von Juli bis Ende März sind nach den Zahlen der Zollstatistik bereits gut 2,1 Mio. t Weizen auf die Insel geflossen.

Den gesamten britischen Weizenverbrauch 2012/13 schätzt das Defra auf knapp 14,6 Mio. t. Davon brauchen die Mühlen, Stärke- und Ethanolhersteller voraussichtlich rund 7,5 Mio. t. Der Verbrauch wäre 670.000 t oder 10 Prozent höher als im Vorjahr.

Ende März war das Defra noch von einer um fast 300.000 t höheren Verbrauchszahl ausgegangen. Als Grund für die Revision nennt das Getreideamt HGCA, dass weniger Weizen als ursprünglich erwartet in den beiden britischen Ethanolfabriken verarbeitet wird. Sie sind erst seit dieser Saison in Betrieb und könnten theoretisch zusammengenommen bis zu 2 Mio. t Weizen pro Jahr verarbeiten. Doch angesichts des knappen Getreideangebotes war die Auslastung in beiden Werken bislang begrenzt. Seit Anfang April steht eine Anlage still.

Tierhalter verwenden mehr Getreidefutter

Die Weizenverwendung im Futter wird dagegen nach Einschätzung des Defra 2012/13 mit rund 6,7 Mio. t deutlich höher als im Vorjahr ausfallen. Das HGCA erklärt den Anstieg mit reger Nachfrage nach Mischfutter, weil in diesem nasskalten Frühjahr viel zu spät Futter von den Weiden zur Verfügung stand. Deswegen weichen die Tierhalter auf eine höhere Getreideverfütterung aus.

Nettoexporteur wird Nettoimporteur

Großbritannien hat 2012/13 einen ungewöhnlich hohen Importbedarf an Weizen, weil die Ernte 2012 sehr schwach ausgefallen ist. Sie war mit 13,3 Mio. t rund 13 Prozent kleiner als im Vorjahr und 11 Prozent geringer als im mehrjährigen Durchschnitt. Die jetzige Schätzung über Weizenimporte von mehr als 2,5 Mio. t entspricht mehr als dem Doppelten des üblichen Einfuhrbedarfs. Im Gegenzug sind die voraussichtlichen britischen Weizenexporte in dieser Saison sehr niedrig. Mit nur 0,8 Mio. t erreichen sie weniger als ein Drittel der Mengen, die im Mittel der zurückliegenden fünf Wirtschaftsjahre verbucht werden konnten.

Deutschland spürt britische Schwäche

Für Deutschland sind sowohl die umfangreichen britischen Importe als auch die fehlenden Exporte von der Insel von Bedeutung. Nach den Zahlen der Zollstatistik hält deutscher Weizen einen hohen Anteil an den britischen Einfuhren. Im Gegenzug kommt kaum britischer Weizen in Nordwestdeutschland an, der in sonstigen Jahren häufiger für Angebotsdruck oder zur Deckung von Versorgungsengpässen dient.

Weiterer Rückgang zu erwarten

Für die kommende Saison deutet sich in Großbritannien bereits an, dass die Importe ein weiteres Mal die Exporte übersteigen könnten und das Land wieder Nettoimporteur von Weizen wird. Sicher ist, dass die Anbaufläche für Weizen deutlich geringer als im Vorjahr ist. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA nennt in seinen Statistiken einen Flächenrückgang um mehr als 20 Prozent. Die Ernte könnte dadurch trotz höherer Erträge weiter um 15 Prozent auf gerade noch 11,5 Mio. t sinken. (db)
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