Ernteschätzung

Briten ernten mehr Weizen


Die gesamte britische Weizenerzeugung schätzt das Londoner Agrarministerium (Defra) jetzt auf 15,2 Mio. t. Das Ergebnis ist 5 Prozent höher als die Vorjahresernte und fällt im Fünfjahresmittel leicht überdurchschnittlich aus. Die ursprünglichen Schätzungen waren niedriger. Aufgrund der ersten Meldungen aus dem Agrarhandel hatte der europäische Verband Coceral im September die britische Weizenernte 2017 nur auf 14,8 Mio. t taxiert. Die Erwartungen waren auch deshalb nicht so hoch, weil die Anbaufläche um etwa 3 Prozent verringert worden ist.

Höhere Erträge auf kleinerer Fläche

Doch das Ministerium legt in seinen Erntezahlen, die auf einer Umfrage bei Farmern beruhen, deutlich höhere Hektarerträge als im Vorjahr zugrunde. Nicht ganz so optimistisch waren bisher die Annahmen des Branchenverbandes AHDB. Er hatte in seinem vor einer Woche veröffentlichten abschließenden Erntebericht einen Weizenertrag mehrheitlich zwischen 7,9 und 8,1 t/ha ausgewiesen, der damit leicht über dem Vorjahresniveau von 7,9 t/ha liegen könnte.

Britische Weizenbilanz
In der kommenden Woche wird der Branchenverband AHDB die erste Schätzung zur Bilanz 2017/18 vorlegen. In der vorherigen Saison hat der britische Weizenverbrauch etwa 15,8 Mio. t erreicht. Das Inlandsangebot war trotz einer eher kleinen Ernte 2016 von 14,4 Mio.t reichlich, weil hohe Anfangsbestände von 2,8 Mio. t zur Verfügung standen. Der Außenhandel war für britische Verhältnisse moderat. Im Ausland gefragt waren die hohen Qualitäten der Ernte 2016. Den Weizenexporten von fast 1,5 Mio. t standen Importe von gut 1,8 Mio. t gegenüber, um die Inlandsversorgung zu decken. (db)
Sollte sich die höhere Ernte bestätigen, wäre auch der Versorgungsengpass überwunden, der sich noch Ende des zurückliegenden Wirtschaftsjahres angedeutet hat. Denn die Briten sind in die Weizensaison 2017/18 mit recht niedrigen Anfangsbeständen von weniger als 1,8 Mio. t gestartet – im Vergleich zu 2,1 Mio. t, die im Mehrjahresmittel in den Silos liegen. Grund für die recht enge Bilanz im Sommer ist die mittlerweile lebhafte Weizennachfrage der britischen Ethanolfabriken, von der eine der deutschen Cropenergies gehört. Außerdem ließ sich direkt nach der Ernte 2016 britischer Weizen im Export gut vermarkten. Vor einem Jahr hatten die Briten eine exzellente Weizenqualität mit einer ungewöhnlich hohen Ausbeute an Qualitätsweizen eingebracht. Damit konnten sie exakt in die Lücke stoßen, die 2016 die Franzosen mit ihrer katastrophal schwachen Ernte hinterlassen hatten.

In diesem Jahr deuten die bisherigen Informationen aber darauf hin, dass die Weizenqualitäten auf der Insel eher mäßig sind. Eine ausführliche Analyse der Ergebnisse steht noch aus, weil die britische Ernte ungewöhnlich spät abgeschlossen wurde. (db)
stats