Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die Brexit-Debatte befördert die britischen Weizenexporte, die zum größten Teil in andere EU-Länder gehen. Denn der geplante EU-Austritt drückt den Währungskurs. Allein im Juni hat das britische Pfund gegenüber dem Euro um 6 Prozent abgewertet. Damit haben die Weizenexporte im letzten Monat des Wirtschaftsjahres 2015/16 so viel Schwung erhalten, dass die bisherigen Exportprognosen übertroffen worden sind.

Höchster Stand seit sieben Jahren

Auf den höchsten Stand seit 2008/09 sind 2015/16 die britischen Weizenverkäufe ins Ausland angewachsen. Die Londoner Zollstatistik weist 2,85 Mio. t aus. Das Agrarministerium (Defra) hatte Ende Mai für die gesamte Saison noch etwas weniger, nämlich 2,75 Mio. t Weizen hochgerechnet. Die britische Exportmenge wäre nach der aktuellen Schätzung um 47 Prozent größer als im Vorjahr und sogar 71 Prozent größer als im Fünfjahresdurchschnitt 2010/11 bis 2014/15.

Die Exportaussichten für die neue Saison stehen ebenfalls gut, denn das britische Pfund hat auch im Juli leicht abgewertet. „Mit dem schwächeren Sterling kann die Exportstärke 2016/17 fortgesetzt werden – vorausgesetzt, die Erntemenge spielt mit", kommentiert Marktanalystin Isobel Robinson von der Branchenorganisation AHDB. Zur britischen Weizenernte, deren Drusch erst spät begonnen hat, sind am morgigen Freitag erste konkretere Aussagen zu erwarten.

Endbestände könnten sinken

Wegen der hohen Exportmengen werden voraussichtlich auch die Endbestände auf der Insel leicht abgebaut. Bisher war mit einem Anstieg gerechnet worden, denn die britische Weizenernte 2015 war mit gut 16,4 Mio. t die zweite deutlich überdurchschnittliche Ernte in Folge. Neue Zahlen des Defra zur Weizenbilanz kommen im September. (db)
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