Versorgungsbilanz

Britischer Weizen gefragt

In seiner aktualisierten Getreidebilanz prognostiziert das Landwirtschaftsministerium (Defra) für die laufende Saison eine recht enge Weizenversorgung. Die britische Weizenernte 2016 hat mit rund 14,4 Mio. t etwa 13 Prozent weniger als im Vorjahr gebracht. Deswegen werden die Exporte voraussichtlich deutlich Federn lassen.

Winter gut überstanden
Die Herbstsaaten von Weizen, Gerste und Raps haben in Großbritannien den Winter überwiegend gut überstanden, stellt die britische Beratungsorganisation Adas Anfang März fest. Es gibt auch keine nennenswerten Probleme mit Unkräutern, Pilzkrankheiten oder Schädlingsdruck. Eine Ausnahme stellt jedoch der Osten Englands dar. Dort war es häufig zur Rapsaussaat zu trocken, sodass die Bestände lückig aufgegangen sind. Anschließend machten den geschwächten Pflanzen Schnecken und Rapserdfloh zu schaffen. Zum Teil sind die Flächen gleich umbrochen und noch mit Wintergetreide nachgesät worden. Anderenfalls könnten auch noch Zuckerrüben folgen. (db)
Im laufenden Wirtschaftsjahr stehen für Exporte maximal 1,5 Mio. t Weizen zur Verfügung, kalkuliert die Marktabteilung der britischen Beratungsorganisation AHDB. Davon sind bis Ende Dezember bereits 1,1 Mio. t abgeflossen. In der Saison 2015/16 hatte das Vereinigte Königreich dagegen mehr als 2,8 Mio. t Weizen exportiert und damit den höchsten Stand seit 2008/09 erreicht.

Verbrauch steigt aus zwei Gründen

Die britische Weizenbilanz verengt sich weiter, weil der inländische Weizenverbrauch um etwa 10 Prozent höher ausfällt als im Vorjahr. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen weist die Weizenernte 2016 deutlich unterdurchschnittliche Hektolitergewichte auf, sodass die Ausbeute in der Verarbeitung geringer ist. Dieser Effekt gilt übrigens in vielen europäischen Ländern.

Zum anderen braucht Cropenergies mehr Weizen, nachdem das Ethanolwerk wieder angefahren worden ist. Wegen der regen Weizennachfrage schätzt das Defra die britischen Weizenimporte mittlerweile mit 1,6 Mio. t so hoch wie im Vorjahr ein. In ersten Schätzungen nach der Ernte war ein Rückgang der Importe erwartet worden. Denn die britischen Farmer haben 2016 zwar keine große Menge gedroschen, aber gute Weizenqualitäten eingefahren. Damit sinkt der Bedarf der Mühlen an A- und E-Weizen, der in sonstigen Jahren umfangreich importiert wird.

Britische Preise ungewöhnlich hoch

Die britischen Weizenpreise haben mittlerweile ein hohes Niveau erreicht. Aktuell notiert Futterweizen an der Börse Liffe mit umgerechnet 170 €/t fast so hoch wie Brotweizen auf dem Kontinent. Vom Niveau in Chicago – zurzeit umgerechnet etwa 140 €/t – hat sich der britische Weizen völlig abgekoppelt. Die neue Ernte wird an der Liffe jedoch schwächer bewertet. Denn zurzeit sieht es für die Weizenernte 2017 gut aus (siehe Kasten). (db)
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