„Um die derzeit angespannte Situation auf dem Milchmarkt zu meistern und künftige Chancen unter den neuen Marktbedingungen zu nutzen, sind Anstrengungen nicht nur bei den Landwirten, sondern insbesondere auch bei ihren Molkereien erforderlich.“ Dies betonte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), anlässlich eines Gespräches zwischen dem Deutschen Bauernverband (DBV), dem Deutschen Raiffeisenverband (DRV) und den ehrenamtlichen Spitzenvertretern der größten genossenschaftlichen Molkereien Deutschlands in Berlin.

Einseitige Abhängigkeiten verringern

Die Runde war sich einig, dass der Export besondere Chancen bietet und verstärkt Absatzmärkte in Drittländern erschlossen werden sollten, teilt der DBV mit. Hierzu müssten die Molkereien den bereits eingeschlagenen Weg fortsetzen, so DBV-Vizepräsident Udo Folgart, der bei dem Gespräch die deutschen Milchbauern vertrat. Einseitige Abhängigkeiten, wie sie am Beispiel des russischen Importembargos deutlich wurden, gelte es zu verringern. Weiterhin lägen künftig Chancen in der Entwicklung von innovativen Produkten und Marken sowie in der Kommunikation der hohen Qualität von deutscher Milch und den hohen Standards der deutschen Milcherzeugung. Die politischen Entscheidungsträger in Brüssel und Berlin sollten dementsprechend einen erleichterten Marktzugang durch den Abschluss von Handels- und Veterinärabkommen unterstützen.

Absicherung Warenterminbörsen

In Richtung Einzelhandel müsse es darum gehen, die Verhandlungsposition des Milchsektors durch strukturelle Anpassungen – im Rahmen der Möglichkeiten des Kartellrechts – zu stärken. In dem Gespräch wurde darüber hinaus deutlich, dass sich die Branche noch stärker als bisher mit steigenden Volatilitäten des Marktes beschäftigen müsse. So sollten sich Milcherzeuger und Molkereien mit der Absicherung des Milcherzeugerpreises, etwa über die Nutzung von Warenterminbörsen, auseinandersetzen. Angesichts des Preisdruckes, der von der Nachfragekonzentration des Lebensmitteleinzelhandels ausgeht, forderten Verbände und Molkereien, die Wertschätzung von Milchprodukten tatsächlich zu fördern. „Wir Milcherzeuger sichern ein hohes Qualitätsniveau unserer Produkte und entwickeln unsere Standards zunehmend weiter. Der Handel honoriert diese Anstrengungen durch seine Niedrigpreisstrategie derzeit nicht“, resümierte Folgart. (az)
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