Großbritannien

Deutscher Weizen zu teuer

Das britische Parlament soll beim Brexit jetzt doch mit entscheiden
-- , Foto: Astrid Friedrich/pixelio
Das britische Parlament soll beim Brexit jetzt doch mit entscheiden

Traditionell ist Großbritannien ein interessanter Absatzmarkt für deutschen Weizen – insbesondere B- oder A-Weizen. Doch in diesem Jahr ist vieles anders. Zum einen haben die britischen Farmer zwar keine Rekordmenge gedroschen, aber gute Weizenqualitäten eingefahren. Damit sinkt der Importbedarf der Mühlen, die in Normaljahren vorwiegend aus qualitativen Gründen zwischen 1 und 2 Mio. t Weizen importieren. In der Regel stammt der Weizen aus Frankreich und Kanada sowie in manchen Jahren auch umfangreich aus Deutschland.

Schwaches Pfund macht Importe teuer

Zeitplan wackelt
Die Unsicherheit, ob und wann es zu einem britischen EU-Austritt kommt, ist größer geworden. Das Hohe Gericht in London hat am Donnerstag dem Parlament ein Mitspracherecht beim Brexit eingeräumt. Ursprünglich wollte Premierministerin Theresa May bis Ende März 2017 das Austrittsgesuch vorlegen und den Brexit innerhalb von zwei Jahren durchziehen. Wenn aber erst einmal das Parlament gefragt werden muss, lässt sich der Zeitplan wohl nicht einhalten. (db)
Deswegen zieht die Marktabteilung der Branchenorganisation AHDB auch die Notierung für deutschen A-Weizen heran, um die Wettbewerbsfähigkeit von heimischem und importiertem Weizen zu vergleichen. Nach den Erhebungen der Londoner Marktbeobachter werden Importe im Vergleich immer teurer. So ist die Differenz zwischen dem Erzeugerpreis für guten britischen Brotweizen ab Hof und deutschem A-Weizen ab Importlager an der britischen Ostküste bis September 2016 mittlerweile auf 31 britische Pfund (GBP) pro Tonne angewachsen. Im September 2015 waren die deutschen Herkünfte „nur“ um 22 GBP/t teurer. Gleichpreisig waren sie nach den Erhebungen von AHDB im Juli 2014. Ein erheblicher Teil dieser Preisentwicklung ist auf die Schwäche der britischen Währung zurückzuführen. Binnen eines Jahres hat sie zum Euro um 27 Prozent abgewertet. Und der Druck hält wegen der Unsicherheit um die Modalitäten eines Brexit an (siehe Kasten).

Weizenverbrauch im Land steigt kräftig an

Innerhalb Großbritanniens steigt allerdings der Weizenbedarf. Nach den Zahlen des Agrarministeriums (Defra) haben die Mühlen, Stärkefabriken und Ethanolwerke in den ersten drei Monaten des Wirtschaftsjahrs 2016/17 etwa 1,8 Mio. t Weizen verarbeitet. Das waren 10 Prozent mehr als zwischen Juli und September 2015. Die Branchenorganisation AHDB weist darauf hin, dass es sich auch um die höchste Menge seit 1997 handelt. Sie führt den hohen Verbrauch einerseits auf die niedrigen Hektolitergewichte der Weizenernte 2016 zurück, die einen höheren Rohstoffeinsatz der Mühlen zur Folge haben. Andererseits geht AHDB auch davon aus, dass einige Weizenmengen vom Ethanolwerk der Cropenergies benötigt werden. Der deutsche Konzern hatte im Juli seine britischen Anlagen wieder hochgefahren. (db)
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