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Dinkel ist derzeit knapp und wird zu „Phantasiepreisen“ nachgefragt, berichten Teilnehmer eines Informationstages der Universität Hohenheim. Tatsächlich dürfte sich kaum Ware bewegen. Denn langjährige Dinkelverarbeiter hatten sich über Anbauverträge für die gesamte Saison 2013/14 eingedeckt. Nun versorgen sie mit den noch vorhandenen Mengen ihre Kunden. Betroffen von der Mangelsituation sind vor allem jene Marktteilnehmer, die den stark expandierenden Markt in neuen Absatzkanälen bedienen.

Der Nachfrageboom nach Dinkelprodukten basiert auf dem Image der Kultur als besonders ursprünglich. Verbraucher schätzen an Dinkelbrot und Co. sowohl den Regionalbezug als auch gesundheitliche Vorteile oder besseren Geschmack, berichtet Andreas Kofler vom Landesinnungsverband für das württembergische Bäckerhandwerk.

Schlüssel zum Erfolg

Dieses Image, das Dinkel in den Augen des Verbrauchers wertvoll macht, bestätigt Reinhard Hecker von der Erzeugergemeinschaft Kraichgaukorn. Er betrachtet die Marktpflege über die gesamte Kette von der Saatgutproduktion bis zur Vermarktung als Schlüssel zum Erfolg. Zur Kraichgaukorn gehören auch Mühlen und Bäcker, die das spezielle Image des Dinkel pflegen.

Saatgut für die Herbstaussaat ist bereits ausverkauft, berichten Händler. Insgesamt könnte im Herbst in Deutschland auf rund 80.000 ha Dinkel ausgesät werden. Damit würde sich das Wachstum der vergangenen Jahre fortsetzen. Erfahrene Teilnehmer am Dinkelmarkt warnen aber davor, die Nachfrage zu überschätzen. Sie haben bereits zwei Preistäler erlebt, wenn zu viel Angebot auf den begrenzten Markt drängte.

Keinesfalls sollten Neueinsteiger die Anforderungen unterschätzen, die Dinkel an den Landwirt, die Mühle oder den Verarbeiter stellt, schildern Hecker und Kofler einhellig. Das langstrohige Spelzgetreide sei bei Regen und Wind in den vergangenen Tagen vielfach ins Lager gegangen. Hecker macht sich dennoch keine Sorgen um die Qualität: „Die Ähren liegen auf dem langen Stroh wie auf einer Matratze in luftiger Entfernung zum Boden.“(brs)
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