Märkte am Mittag

Entwicklungen geben Rätsel auf

Die diesjährige Norddeutsche Gemeinschaftsbörse bot eine gute Plattform für Gespräche über die aktuellen Märkte. Unsicherheit über die weitere Marktentwicklung bestimmte die Diskussion der 400 Teilnehmer am Donnerstag. Klare Trends ließen sich kaum ausmachen, so der Tenor.
 
Die festeren Getreidepreise seien keine ungewöhnliche Reaktion auf den massiven Preisverfall nach der Ernte, war zu hören. Die Futterweizenpreise frachtfrei Südoldenburg sind inzwischen wieder auf 172 €/t für das alte Jahr und auf 177 €/t für Januar/Juni angezogen. Deutlichere Preiseinbrüche lassen sich nach Einschätzung der Börsianer kaum erwarten, denn aufgrund der geringen Maiserfassung gibt es weiterhin Bedarf für Futterweizen. Während das Weizenangebot überschaubar war, ließ sich Futtergerste besser beschaffen. Die Geldkurse für Gerste bewegten sich im Südoldenburger Raum zuletzt bei 165 €/t.
 
Thema Nummer eins war der rasante Anstieg der Sojaschrotpreise. Die Branche war sich einig, dass der Anstieg der Schrotpreise von etwa 100 US-$/t in Chicago innerhalb von einem Monat überzogen sei. Die Logistikprobleme in den USA ließen sich kaum als alleinige Ursache anführen, vielmehr seien die Fonds wieder stärker in die Agrarmärkte eingestiegen, war eine weit verbreitete Meinung. Bis zum 10. November und der neuen Schätzung bleibe der Markt voraussichtlich fest, doch dann könnten die neuen USDA-Zahlen möglicherweise eine Abwärtskorrektur einleiten, wurde gemutmaßt.
 
Mit dem festen Sojaschrot hat sich auch Rapsschrot verteuert und die Nachfrage wieder etwas belebt. Die Deckung des der Mischfutterindustrie für die vorderen Termine und die ersten Monate im neuen Jahr gilt allerdings sehr gut. Für Januar/April müssen aber noch 33 bis 40 Prozent zugekauft werden, schätzten Händler.
 
Weizenkleie zeige ebenfalls festere Tendenzen. Die Preise könnten in den kommenden Wochen auf 125 €/t frachtfrei Südoldenburg für lose Kleie ansteigen, so Einschätzungen von Händlern. Für zuckerhaltige Futtermittel könnte es aus der laufenden Zuckerrübenernte noch etwas Druck geben, hieß es.
 
Die Mischfutterindustrie regiert auf die festeren Rohwarenpreise. Erste Hersteller werden ab der kommenden Woche die Preise für Schweinefutter um 1,00 bis 1,50 €/100 kg anheben, für Rinderfutter sind Preisanpassungen von bis zu 3,00 €/100 kg je nach Energiegehalt angedacht. Das Mischfuttergeschäft hat sich zwar seit 3 bis 4 Wochen abgeschwächt, doch die Hersteller sind mit dem laufenden Jahr durchweg zufriedener rechnen mit einem Plus von etwa 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
 
Am Terminmarkt hat sich heute der Druck auf die Weizenkurse fortgesetzt. Der November notierte am späten Mittag an der Matif bei 171 €/t und damit 1 €/t schwächer als am Vortag. Raps profitierte von den festeren Sojanotierungen und stieg am späten Mittag nach einem Plus von 2,50 auf knapp 333 €/t an. (St) 
stats