MARS-Prognose

Erträge in Europa sehr heterogen


Frage des Maßstabs

In Deutschland ist keinesfalls eine Missernte, sondern eine mittelmäßige Ernte eingebracht worden. Bei Weizen, Roggen und Gerste übertreffen die Erträge leicht den fünfjährigen Durchschnittswert, bei Raps liegen sie etwas darunter. Körnermais fällt im mehrjährigen Durchschnitt um 5 Prozent zurück – was auch noch keinen Einbruch darstellt, wenngleich es einzelbetriebliche Ausfälle gibt. Dramatischer erscheinen die Rückgänge, legt man als Vergleichsmaßstab die Rekorderträge des Vorjahres an. Dann errechnen sich Einbußen von 11 bis 12 Prozent bei Getreide sowie 16 Prozent bei Raps. (db)

Für Deutschland beurteilt der EU-Prognosedienst MARS in seinem August-Bericht die Ertragserwartungen zur Ernte 2015 differenziert. Auf gleicher Höhe wie vor vier Wochen liegen sie für Weizen mit rund 7,7 t/ha, Roggen mit 5,4 t/ha und Raps mit 3,8 t/ha. Heraufgesetzt sind die Werte für Wintergerste auf 6,9 t/ha. Dagegen ist die Schätzung des Körnermaisertrags leicht auf 9,5 t/ha abgesenkt. Alle Erträge sind – mit Ausnahme von Mais – durchschnittlich (siehe Kasten).

Hitze schwächt Mais in Südeuropa

Im europäischen Maßstab faallen die Maiserträge jedoch stark ab. MARS schätzt jetzt 2015 für die EU-28 einen mittleren Ertrag von 6,4 t/ha, der damit 21 Prozent niedriger als im Vorjahr und 9 Prozent geringer als im fünfjährigen Mittel wäre. Besonders betroffen sind die großen Maisanbaugebiete in Südeuropa. In Ungarn und Rumänien sind von Anfang Juli bis Mitte August die höchsten Temperaturen der vergangenen 40 Jahre gemessen worden. Hinzu kam regional eine ausgeprägte Trockenheit. Ähnliche Wetterextreme gab es auch in Österreich, Tschechien und der Slowakei, begründen die Agrarmeteorologen die Ertragseinbußen.

Weniger Sommergerste im Nordosten

Auch Sommergerste hat regional gelitten. MARS nennt insbesondere geringere Erträge in Finnland, Polen und im Baltikum. Für Polen bestätigt der EU-Prognosedienst auch die Dürremeldungen, die zurzeit in Warschau gesammelt werden, um über Ausgleichszahlungen zu entscheiden. So hat es in weiten Teilen des Landes nach den meteorologischen Aufzeichnungen seit Mitte Juli bei hochsommerlichen Temperaturen fast nicht mehr geregnet. Auch davor waren die Niederschläge weit unterdurchschnittlich und die Wasservorräte im Boden fast erschöpft.

Abkühlung in Skandinavien

Abkühlung hat dagegen Skandinavien geboten. Sowohl in Dänemark als auch in Schweden war es im Sommer nach den Beobachtungen von MARS zu kühl. Vor allem niedrige Nachttemperaturen haben das Wärmeangebot gesenkt. Außerdem hat es in beiden Ländern ausreichend Niederschläge gegeben, zum Teil zu umfangreichreiche. Die Getreide- und Rapserträge hat dieses Wetter überwiegend befördert. Die Entwicklung von Sommergerste war jedoch zum Teil behindert. (db)
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