Führende europäische Molkereien zahlten ihren Lieferanten im Schnitt 30,03 Cent netto je kg Rohmilch, das entspricht gegenüber dem Vormonat einem Minus von 0,17 Cent. Das Vorjahresniveau wurde jedoch um 5,9 Cent beziehungsweise 17 Prozent unterschritten. Dies geht aus dem jüngsten Preisvergleich des niederländischen Bauernverbandes (LTO) hervor, berichtet das AIZ Wien. Der LTO-Durchschnittswert wird monatlich in Kooperation mit EDF (European Dairy Farmers) auf Basis der Auszahlungsleistungen von 16 großen Milchverarbeitern in Nord- und Mitteleuropa für Standardmilch mit 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß sowie einer jährlichen Anlieferung von 500.000 kg errechnet.

Frankreich drückte den EU-Schnitt

Der Rückgang des LTO-Durchschnittwertes im Oktober ist vor allem auch auf - saisonbedingte - Preissenkungen bei französischen Molkereien zurückzuführen. Im Herbst sind dort die Erzeugerpreise üblicherweise geringer als im Sommer. So reduzierte die Molkerei Bongrain ihre Auszahlung um 0,9 Cent, Lactalis um 1 Cent und Sodiaal um 0,8 Cent. Auf der anderen Seite führten saisonale Effekte bei den britischen Milchverarbeitern First Milk und Dairy Crest zu einem Preisanstieg um 3,4 Cent beziehungsweise 0,6 Cent. Darüber hinaus wurde von den 16 im LTO-Vergleich erfassten Molkereien nur bei zwei weiteren Verarbeitern (Müller 0,5 Cent und Arla 0,6 Cent) ein Plus verzeichnet.

Irische Molkerei Glanbia das Schlusslicht

Die finnische Molkerei Hämeenlinnan lag mit einem Erzeugerpreis von 39,74 Cent wieder an der Spitze des LTO-Rankings, an zweiter Stelle folgte das italienische Unternehmen Granarolo, das unverändert 38,29 Cent auszahlte. Der irische Milchverarbeiter Glanbia bildete mit einem Preis von 23,99 Cent erneut das Schlusslicht. Demnach ergab sich zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Erzeugerpreis eine Differenz von 15,8 Cent.

Angebot am globalem Markt mehr als ausreichend

Die LTO-Experten verweisen in ihrer Analyse darauf, dass sich die Milcherzeugung innerhalb der EU auch im dritten Quartal 2015 auf einem relativ hohen Niveau befand. Im September 2015 lag sie um 3 Prozent über dem Vorjahresniveau, in den ersten neun Monaten dieses Jahres war sie laut EU-Kommission in Summe um 1,5 Prozent höher. Außerhalb Europas dürfte sich das Wachstum bei der Erzeugung abschwächen (etwa in den USA, wo die Menge im Oktober die Vorjahreslinie nur mehr um 0,1 Prozent überschritt). In Neuseeland wurde im neuen Milchjahr, das im Juni begonnen hat, bisher eine um 4 Prozent geringere Anlieferung gemeldet.

Außenhandel strukturiert sich neu

Ob sich die im September und Oktober 2015 registrierten Verbesserungen am internationalen Milchmarkt fortsetzen, sei ungewiss, weil sich an den fundamentalen Daten (verhaltene Nachfrage, umfangreiches Angebot) wenig geändert habe, stellt die LTO fest. In China wurden zwar in den vergangenen Monaten Signale für eine Erholung registriert, die Importe das Landes fallen aber immer noch deutlich geringer aus als vor einem Jahr, vor allem bei Milchpulver und Butter. Dem gegenüber haben die USA, Japan, Ägypten und Mexiko ihre Einfuhren an Butter sehr stark gesteigert. Japan, die USA und Mexiko sind mittlerweile auch beim Käseimport führend. Die EU konnte die Ausfuhren an Molkereiprodukten in den ersten neun Monaten dieses Jahres steigern. Bei den Käseexporten liegt die EU seit August 2015 ebenfalls über dem Vergleichsmonat des Vorjahres, die fehlenden Lieferungen nach Russland trüben aber immer noch die Außenhandelsstatistik.

Lagerbestände weiter hoch

Momentan agieren die großen Käufer am Weltmarkt laut LTO relativ zurückhaltend, dies sorgt für höhere Lagerbestände. Es wird erwartet, dass die Intervention bei Magermilchpulver wieder mehr in Anspruch genommen wird. Als positives Signal wird von den Marktbeobachtern aber immerhin gewertet, dass es an der internationalen Handelsplattform GlobalDairyTrade (GDT) - nach drei Auktionen mit rückläufigen Notierungen - Anfang Dezember endlich wieder zu einem Preisanstieg gekommen ist. (az)


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