Analyse

Etwas Rückenwind für Öl 2016


Moderat steigende Rohölpreise sagen die Analysten der Commerzbank für das Jahr 2016 voraus. Denn die Staaten außerhalb der Organisation erdölexportierender Länder Opec werden ihre Produktion zurücknehmen. Die Fördermengen der Opec dagegen liegen nur leicht über der Nachfrage.

Im Jahr 2015 beläuft sich das Überangebot an Rohöl weltweit auf 1,6 Mio. Barrel pro Tag. Allein die Opec hat zuletzt gut 1 Mio. t mehr Rohöl pro Tag produziert als benötigt. Außerhalb der Opec-Staaten habe sich das Angebotswachstum zwar deutlich abgeschwächt, so die Commerzbank. Doch die Internationale Energieagentur IEA berechnet immer noch ein Anstieg um 1,3 Mio. Barrel pro Tag gegenüber 2014.

Aktuell kostet ein Barrel Rohöl der Sorte Brent gut 40 US-$. Vor einem Jahr war das Barrel noch knapp 70 US-$ wert, vor zwei Jahren sogar rund 110 US-$. Der niedrige Rohölpreis gibt Raffinerien wenig Anlass, mehr Biokraftstoffe als gefordert beizumischen. Ganz allgemein bremst der schwache Rohölpreis die Kursentwicklung an den Rohstoffmärkten.

Preisniveau der Vorjahre bleibt unerreicht

Die Commerzbank prognostiziert in ihrer Analyse einen leichten Preisanstieg bei Rohöl im kommenden Jahr. Das Niveau von 2014 soll nicht wieder erreicht werden, ganz zu schweigen von den Preisen 2013. Die Analysten erwarten, dass der Kurs für Brent-Öl bis Jahresende auf etwa 63 US-$ je Barrel steigen wird.

Ein kritischer Faktor ist, dass der Abbau des Überangebots vor allem seitens der Produzenten außerhalb der Opec erfolgen muss, da die Opec selbst kaum Bereitschaft zu Produktionssenkungen erkennen lässt. Denn der positive Effekt des niedrigen Ölpreises verliert an Schwung, auch die konjunkturelle Entwicklung verläuft etwas schwächer. Daher erwartet die IEA, dass in den Industrienationen die Nachfrage nach Rohöl stagniert – die globale Nachfrage wird also von den Schwellenländern getragen.

Das Ölangebot außerhalb der Opec soll nach Berechnungen der IEA um rund 650.000 Barrel am Tag sinken. Vor allem in den USA geht die Förderung von Schieferöl zurück. Das Produktionstief bei der US-Rohölproduktion soll laut der US-Energiebehörde EIA im dritten Jahresquartal 2016 erreicht werden.
Der Bedarf an Öl aus den Opec-Staaten wird laut IEA-Schätzung mit 31,3 Mio. Barrel am Tag nur etwas geringer ausfallen als das Angebot. Behält die Opec ihr derzeitiges Produktionsniveau aufrecht, wäre der Markt sogar Mitte des kommenden Jahres unterversorgt, schreiben die Commerzbank-Analysten. (pio)
stats