Vorstoß

Exportabgabe in Russland endet

Das russische Landwirtschaftsministerium hat jetzt offiziell vorgeschlagen, in der Saison 2016/17 die Exportzölle für Weizen aufzuheben. Über ein entsprechendes Schreiben an die Regierung berichtet das Moskauer Analystenbüro APK Inform.

Komplizierte Berechnung
Zurzeit gilt eine variable Exportabgabe. Der Mindestzollsatz beträgt 10 Rubel/t. Außerdem werden 50 Prozent des Warenwertes abzüglich 6.500 Rubel besteuert. Das heißt, dass dieser variable Teil erst bei Exportkursen oberhalb von 13.000 Rubel/t greift. Umgerechnet in US-$ entspricht dieser Schwellenpreis aktuell einem fob-Preis von 175 €/t oder 194 US-$/t. Da Weizen zurzeit am Weltmarkt niedriger notiert, kommt nur der geringe Mindestzoll von 10 Rubel/t zum Ansatz – entsprechend einer minimalen Abgabe von 0,13 €/t oder 0,15 US-$/t. (db)
Die Exportabgabe sollte bisher den Preisauftrieb im Inland bremsen. Seit den Handelsbeschränkungen zwischen Russland auf der einen Seite und USA, EU und weiteren westlichen Ländern auf der anderen Seite hat der Rubel deutlich an Wert verloren. Für einen Euro bekam man Ende Juli 2014 etwa 48 Rubel. Zwischenzeitlich waren es bis zu 90 Rubel, aktuell sind es etwa 75 Rubel. Ähnlich schwach hat sich der Rubel auch gegenüber dem US-Dollar entwickelt.

Regierung fürchtet hohen Brotpreis

Dieser Kursverfall des russischen Rubel befördert zwar die Getreideexporte, bei denen Russland wettbewerbsfähiger denn je am Weltmarkt antreten kann. Dieses Getreide kann jedoch im Inland fehlen und dort den Preis nach oben treiben. Kaum etwas fürchtet die Moskauer Regierung so sehr wie hohe Brotpreise. Die Verbraucher haben ohnehin durch die hohe Inflation Kaufkraft verloren. Auch eine Verteuerung von Futtergetreide ist im Inland unerwünscht, soll doch die Tierhaltung angekurbelt werden.

Dritte große Ernte in Folge

Russland erwartet die dritte große Weizenernte in Folge.
-- , Foto: Hannelore Louis/pixelio
Russland erwartet die dritte große Weizenernte in Folge.
Zurzeit ist jedoch keine Getreideknappheit am russischen Markt zu befürchten, im Gegenteil. Der Internationale Getreiderat (IGC) hat Ende voriger Woche die Ernteerwartung für Russland im Vergleich zum Vormonat um 5 Mio. t auf fast 108 Mio. t angehoben, darunter 68 Mio. t Weizen. Die Menge ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert. Es fehlt nicht mehr viel zum bisherigen Rekord aus dem Jahr 2008 mit 108 Mio. t Getreide. Noch wichtiger für die Versorgung am Weltmarkt ist, dass zum dritten Mal in Folge ein Ergebnis von mehr als 100 Mio. t eingefahren wird. Denn in schwachen Jahren wie 2010 und 2012 ist die russische Ernte auch schon deutlich unter 70 Mio. t Getreide gefallen. (db)
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