Märkte am Morgen: Getreide

Exportmotor kommt auf Touren

Schon lange nicht mehr gab es eine solche Fülle an Ausschreibungen wie in dieser Woche. Am Donnerstag hat die staatliche Weizenagentur Saudi Grains Organization (Sago) den seit Langem erwarteten Tender über 475.000 t Weizen international ausgeschrieben. Auch deutsche Exporteure wollen Weizen nach Saudi-Arabien liefern.

Die Bieterfrist endet bereits am heutigen Freitag, zitiert der Nachrichtendienst Ukragro Consult einen Vertreter von Sago. Verlangt wird Weizen mit 12,5 Prozent Protein zur Lieferung im Dezember und Januar 2018. Nach Darstellung von Sago-Vertreter Ahmed Al Fares ist die Gesamtmenge über 475.000 t Weizen in acht Sendungen aufteilt. Die Schiffsankünfte sind vorgesehen für die Häfen in Jeddah (300.000 t), Dammam (120.000 t) und Jizan (55.000 t). Saudi-Arabien entwickelt sich immer mehr zum wichtigen weltweiten Weizeneinkäufer. Zuletzt kaufte das Land im August 2017 rund 490.000 t. Deutsche Exporteure können die gewünschten Qualitäten bereitstellen und sind zuversichtlich, einen Zuschlag zu bekommen.

Türkei setzt Preislimit

Auch die Türkei ist in dieser Woche mit am Start und hat einen Tender über 110.000 t Mahlweizen ausgeschrieben. Die Gesamtmenge ist in elf Sendungen zu je 10.000 t aufgeteilt. Der Kaufpreis für sechs Liefereinheiten liegt bei 866 türkischen Lira/t (umgerechnet 226 US-$/t) cif und fünf wurden am Donnerstag für 877 türkische Lira/t (229 US-$/t) cif gekauft. Zunächst hatte die Türkei einen Tender von 150.000 t aufgelegt. Offerten über 900 türkische Lira/t wurden abgelehnt, sodass die türkische Einkaufsagentur bei 110.000 t Weizen die Zuschläge stoppte.

Als Verladehäfen sind erlaubt: im Schwarzen Meer, in der Ägais und Mittelmeer, außer Süd-Zypern und Syrien, die EU einschließlich Großbritannien und Baltikum. Händler interpretieren diese Aufzählung dahingehend, dass auch Russland als mögliches Lieferland infrage komme, trotz der jüngst aufgetretenen Reibungen im Handel zwischen Russland und der Türkei.

Zum Wochenanfang hat Äthiopien einen internationalen Tender in Höhe von 200.000 t Mahlweizen aufgelegt. Die Bieterfrist läuft bis zum 28. November. Zuvor endete am Dienstag bereits die Einreichungsfrist über 400.000 t Weizen. Äthiopien wird wie andere afrikanische Länder von einer Dürrewelle heimgesucht, die Beobachter auf das Wetterphänomen El Nino zurückführen. Weitere Weizeneinkäufe werden erwartet. Bereits im September kaufte Äthiopien rund 70.000 t Weizen, den internationale Geldgeber bezahlten. 

An der Pariser Warenbörse Euronext wurde der lebhafte Weizenhandel mit einem höheren Weizenkurs auf 162,50 €/t goutiert. In Chicago hingegen gehen die Kurse schwächer am Donnerstag aus dem Handel. Der Dezember-Kontrakt verliert 3,75 Cent auf 4,31 US-$/bushel. Der steigende Dollarkurs könnte die Exportaktivitäten von US-Weizen in den USA einschränken.

Mais: In Paris an der Euronext sieht es derzeit für den November-Termin gut aus. Die Schwächephase ist überwunden, der Kurs überspringt am Donnerstag mit 150,75 €/t die wichtige psychologische Marke. An der Chicagoer Börse CBoT tendiert Mais seitwärts und geht mit einem kleinen Minus bei 3,50 US-$/bushel aus dem Handel. China schraubt im laufenden Wirtschaftsjahr 2017/18 seinen Maisverbrauch deutlich hoch, um die staatlichen Vorräte abzubauen. Das schreibt der Internationale Getreiderat IGC in seinem Monatsbericht am gestrigen Donnerstag. Dadurch fallen die Endbestände an Mais 2017/18 mit 203 Mio. t jetzt 5 Mio. t kleiner aus als noch im September erwartet.

Euro/Dollar: Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag auf ihrer Sitzung die Höhe ihrer monatlichen Käufe von Staatsanleihen auf 30 Mrd. € halbiert. Das Konjunkturprogramm zur wirtschaftlichen Unterstützung wurde bis September 2018 verlängert. Den Leitzins ließ die EZB unangetastet bei null Prozent. Insgesamt will die EZB weniger Geld in den Markt pumpen und verabschiedet sich etwas von der lockeren Geldpolitik. Der Euro neigt zur Schwäche und kostete 1,17048 US-$. (da)
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