Ernte in Argentinien

Farmer verringern Anbauflächen

Eine schwache Wirtschaft verbunden mit starker Inlandswährung und politischer Unsicherheit werden zum Rückgang des Ölsaaten- und Getreideanbaus in Argentinien führen. Diese Einschätzung trifft der Attaché des US-Agrarministeriums USDA in Buenos Aires in einem jetzt veröffentlichten Report. Die Sojabohnenernte 2015/16 schätzt der Attaché auf 57 Mio. t – das sind knapp 4 Mio. t weniger als 2014/15.

Dabei sind Sojabohnen gar nicht die größten Verlierer. Marktteilnehmer in Argentinien erwarten, dass Landwirte die Anbauflächen für Mais und Weizen um 1,5 Mio. ha gegenüber Vorjahr einschränken werden. Statt Mais dürften viele Farmer Soja anbauen, da die Produktionskosten für die Bohne geringer sind. Anders als etwa Brasilien, wo die Inlandswährung gegenüber dem US-Dollar massiv abwertet, hat der Argentinische Peso an Wert gewonnen. Das benachteiligt Agrarexporte aus Argentinien im Wettbewerb. Verschärft wird die Lage noch durch hohe Ausfuhrzölle.

Hoffnung liegen auf El Nino und Regierungswechsel

Für politische Unsicherheit sorgen die Präsidentschaftswahlen, die auf den 25. Oktober terminiert sind. Die Hoffnung vieler Erzeuger richtet sich laut USDA dahin, dass eine neue Regierung sich des Problems der starken Währung annimmt, die Exportzölle und Steuern im Lande senkt, sodass sie pünktlich zur Ernte im März/April 2016 höhere Profite einstreichen können. Den Sojabohnenexport Argentiniens schätzt das USDA auf 9,75 Mio. t.

Das Klimaphänomen El Nino kann laut USDA-Attaché einen positiven Effekt auf die argentinische Sojabohnenernte haben. So werden Landwirte aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation weniger hochwertige Sorten aussäen und den Einsatz von Herbiziden und Dünger zurückfahren. Das kann zwar zulasten der Erträge gehen, die zusätzliche Feuchtigkeit durch El Nino kann aber einen Teil dieses negativen Effekts kompensieren. Nur in tiefen Lagen besteht die Gefahr, dass Flächen durch exzessive Niederschläge überflutet werden. (pio)
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