Weizenexporte

Frankreich verliert an Deutschland


Der größte französische Exporthafen Rouen bekommt weniger zu tun.
-- , Foto: Port Rouen
Der größte französische Exporthafen Rouen bekommt weniger zu tun.

Noch etwas niedriger als die Institutionen des französischen Agrarministeriums schätzt Michel Portier, Gründer und Geschäftsführer des Analystenhauses Agritel, die Erzeugung von Weichweizen in Frankreich. Agritel beruft sich auf eine landesweite Befragung, die nach eigenen Angaben mehr als drei Viertel der Weizenanbaufläche abbildet und am Montag abgeschlossen worden ist.

Auf dieser Basis errechnet Agritel eine französische Weichweizenernte von 28,7 Mio. t. Das sind noch einmal etwa 400.000 t weniger als die offizielle Schätzung, die in Paris am Freitag veröffentlicht worden ist. Die zum Ministerium gehörende Statistikabteilung Agreste hat eine Zahl von 29,1 Mio. t geschätzt. Im Vorjahr hatte die Ernte ein Rekordergebnis von 40,9 Mio. t gebracht.

Frankreich verliert Führungsrolle

Portier weist auf die Sonderstellung Frankreichs hin. „Als einziges Land in Europa verzeichnen die Landwirte massive Einbußen bei Erträgen und Qualität." Deswegen sagt er voraus: „Frankreich wird in dieser Kampagne 2016/17 seine Führungsrolle als größter EU-Weizenexporteur verlieren.“ Zur Nummer 1 aufsteigen wird nach seiner Einschätzung Deutschland, das in dieser Saison unter den EU-Ländern die größten Weizenmengen in Drittländer verkaufen kann.

Starke Konkurrenz der großen Anbieter

Das Analystenhaus rechnet damit, dass Frankreich aus der Ernte 2016 lediglich 5,1 Mio. t Weichweizen für die Exporte in Drittländer zur Verfügung stellen kann, was einem Rückgang von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Für Deutschland nennt der Franzose mögliche Exporte von etwa 6,7 Mio. t. In der zurückliegenden Saison 2015/16 lagen die die deutschen Drittlandsexporte von Weizen bei etwa 5,9 Mio. t. Ins gemachte Nest setzen können sich aber weder die deutschen Exporteure noch andere EU-Anbieter: „Die Konkurrenz wird stark sein", sagt Portier. Er nennt am Weizenmarkt vor allem Russland sowie die USA und Kanada. (db)
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