Getreidebilanz

Frankreichs Weizenexporte am Boden

Als Michel Portier vom französischen Analystenhaus Agritel Anfang August einen Rückgang der französischen Weichweizenexporte in Drittländer um 60 Prozent in Aussicht stellte, hielten viele Marktbeobachter die Prognose für zu pessimistisch. Doch in dieser Woche stellt das Agraramt France AgriMer eine erste Bilanz für die Vermarktung 2016/17 vor. Sie schätzt, dass die Weltmarktverkäufe sogar um 63 Prozent schrumpfen. In absoluten Zahlen: Frankreich wird 2016/17 nur 4,7 Mio. t Weichweizen in Drittländer verkaufen können – im Vergleich zu mehr als 12,6 Mio. t im Vorjahr. Auch in die EU-Nachbarländer geht weniger Weichweizen. Hier rechnet France AgriMer mit rund 6,6 Mio. t, was 16 Prozent weniger als 2015/16 wäre.

Geringe Ausbeute erhöht Verbrauch

Hauptgrund für die geringe Exportmenge ist die extrem kleine Weichweizenernte. France AgriMer liegt mit seiner Schätzung von 28,5 Mio. t zwar geringfügig höher als die Statistikabteilung des Agrarministeriums in Paris, die am Montag eine aktuelle Weichweizenernte von 28,2 Mio. t geschätzt hat. Was aber in der Bilanz auf der Verbrauchsseite buchstäblich ins Gewicht fällt, ist die geringere Ausbeute der Ernte 2016. Weil der Weizen so schwache Hektolitergewichte aufweist, muss mehr Rohware verwendet werden. France AgriMer schätzt für die Mehl- und Stärkeherstellung in Frankreich einen Mehrverbrauch von rund 5 bis 6 Prozent. Das entspricht immerhin einer absoluten Menge von 450.000 t Weichweizen, die für andere Verwendungen fehlen.

Außerdem werden auch die Mischfutterhersteller nicht am Weizen sparen. Selbst wenn die Weizenqualitäten in Frankreich – abgesehen vom Hektolitergewicht – ordentlich sind, wird voraussichtlich mehr Weizen direkt auf den Höfen verfüttert oder geht ins Mischfutter. Grund ist, dass auch die französische Maisernte mager ausfällt.

Auch die französischen Gerstenexporte sind deutlich geringer. Im Vergleich zum Vorjahr gehen die Drittlandsexporte nach der Einschätzung von France AgriMer um 36 Prozent auf unter 4,9 Mio. t zurück. Fast konstant könnten 2016/17 mit rund 3,0 Mio. t dagegen die Verkäufe von französischer Gerste in EU-Nachbarländer bleiben. (db)
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