Ausblick 2016

Gerste eher gefragt als Weizen


Der Gerstenmarkt stimmt den Handel hoffnungsfroh.
-- , Foto: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de
Der Gerstenmarkt stimmt den Handel hoffnungsfroh.

Agrarhändler in Deutschland erwarten, dass der Weizenpreis an der Matif in Paris im ersten Jahresquartal 2016 unter Druck stehen wird. Denkbar sei, dass die März- und Mai-Kontrakte auf 160 bis 170 €/t fallen, schätzt die Agravis Raiffeisen AG auf Anfrage von agrarzeitung.de die weitere Entwicklung ein. Die Baywa AG und die RWZ Rhein-Main rechnen ebenfalls mit weiterem Preisdruck.

Grund für die pessimistische Prognose ist die Erwartung an eine Verkaufswelle ab kommendem Februar. Denn noch große Mengen an unverkauftem Weizen aus der Ernte 2015 lagern bei Landwirten und teilweise auch beim Erfassungshandel – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich und Tschechien. Hinzu kommt, dass die Drittlandexporte von deutschem Weizen in diesem Jahr deutlich hinter dem Niveau von 2014 zurückbleiben dürften. „Im ersten Halbjahr der Kampagne hat Deutschland Marktanteile an Polen und die baltischen Staaten verloren. Es ist fraglich, ob Deutschland die gesteckten Ziele im Export erreichen kann“, heißt es bei der RWZ in Köln.

Saudi-Arabien kauft im Baltikum

Die Agravis beurteilt die Exportchancen ebenfalls verhalten. So brechen die im Vorjahr für Deutschland bedeutenden Absatzmärkte Algerien und Marokko weg, da Frankreich diese nun wieder mit passenden Qualitäten beliefern kann. Hinzu kommt, dass der Iran, ein bedeutender Kunde für deutschen Weizen, weniger Importbedarf hat als in den Jahren zuvor. Der gleichfalls große Weizenkunde Saudi-Arabien habe sich in dieser Saison vermehrt mit günstiger Ware aus dem Baltikum eingedeckt. Optimistischer zeigt sich die Baywa zumindest für den EU-Weizenexport insgesamt: Sie rechnet mit einem Anziehen im ersten  Jahresquartal 2016.

Positive Dynamik im Gerstenexport

Positiver beurteilen die Marktbeobachter die Entwicklung bei Gerste. Die Nachfrage der Mischfutterindustrie zeige sich stabil, so die Agravis. Gut stehe auch der Export da: In der ersten Saisonhälfte 2015/16 hat Deutschland etwa 700.000 t Gerste verladen, schätzt die Agravis. „Deshalb stehen die Chancen nicht schlecht, dass wir mit den Gerstenexporten in dieser Kampagne sehr nahe an die Rekordzahlen des Vorjahres herankommen können“, heißt es aus der Handelsabteilung in Hannover. Im Wirtschaftsjahr 2014/15 wurden rund 1,5 Mio. t Gerste in Drittstaaten verschifft, davon 1 Mio. t nach Saudi-Arabien. Auch die RWZ beurteilt den Gerstenexport optimistisch. Für EU-Futtergerste wurden im laufenden Wirtschaftsjahr bereits mehr Exportlizenzen gezogen als in der Rekordsaison 2014/15, so die Kölner.

Kurs für Futterweizen bestimmt Maismarkt

Wie sich der Maismarkt weiter entwickelt, hängt nach Einschätzung der Marktteilnehmer von der Preisentwicklung bei Futterweizen ab: Wird Futterweizen billiger, sinkt die Maisnachfrage. Außerdem sei der Zeitpunkt wichtig, ab wann die Versorgung mit importiertem Mais aus der Ukraine abnimmt, sagen die Marktexperten der Baywa. Üblicherweise exportiere die Ukraine einen Großteil der Ware bis Februar. Die RWZ Köln hält den Markt trotz der in diesem Jahr deutlich kleineren Maisernte für ausreichend versorgt: Etwaige Engpässe in der deutschen Bilanz könnten durch Drittlandimporte ausgeglichen werden. (pio)
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