In der Ukraine und Russland und auch im übrigen Europa werden Landwirte im kommenden Wirtschaftsjahr 2015/16 voraussichtlich weniger Gerste dreschen. Das erwartet der Internationale Getreiderat IGC in London in seinem aktuellen Monatsbericht. Demnach werden in der kommenden Saison 136,9 Mio. t Gerste erzeugt, das sind 3 Prozent weniger als im noch laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 mit 141,1 Mio. t.

Weniger Gerste werden Landwirte in der EU, in der Ukraine und Russland vom Feld holen, erwartet der IGC. Die EU-Gerstenernte 2015/16 beziffert der Rat auf 58,5 (laufende Saison: 60,4) Mio. t. Den Rückgang auf Jahressicht begründet der Rat damit, dass die Erträge nach zwei Ausnahmejahren wieder zu durchschnittlicheren Niveaus zurückkehren sollen. Die Wintergerstenbestände seien in guter Verfassung, urteilt der IGC, die Witterungsverhältnisse für Sommergerste seien grundsätzlich vorteilhaft.

Russland holt weniger Gerste vom Feld

Deutliche Erzeugungsrückgänge erwartet der IGC für die Ukraine und Russland und begründet dies mit hohen Produktionskosten. Für Marktteilnehmer dürfte dies keine Überraschung sein, da die Inlandswährungen in Folge des Ukraine-Russland-Konflikts deutlich abgewertet haben. Dadurch werden Importe von Betriebsmitteln teurer. In der Ukraine geht die Gerstenproduktion 2015/16 im Vorjahresvergleich um 3 Mio. t auf 6,5 Mio. t zurück. In Russland sinkt die Erzeugung auf 15,5 (20,4) Mio. t.

Mehr Gerste produzieren sollen nach Einschätzung des IGC dagegen unter anderem Kanada, Argentinien, Algerien, Marokko und Australien. Die besseren Ernten in Nordafrika haben zur Folge, dass auch die Gerstenexporte im kommenden Wirtschaftsjahr zurückgehen werden. Der internationale Handel mit Gerste bleibt laut IGC mit 24,6 Mio. t um rund 17 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück.

Die weltweiten Gerstenvorräte zum Ende der Saison 2015/16 beziffert der IGC auf 24 Mio. t, das sind 4 Prozent weniger als im Vorjahr. Vor allem bei den wichtigen Exporteuren gehen die Vorräte zurück auf 10,5 (12,5) Mio. t, den niedrigsten Wert seit 20 Jahren. Vor allem in den früheren Sowjetstaaten und der EU sei der Bestandsabbau bemerkenswert, schreibt der IGC.
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