DBV-Marktausblick

Getreide hat Preistal überwunden

Die gute Versorgung mit fast allen Agrarprodukten in Deutschland, Europa und weltweit hat nach Beobachtung des DBV viele Erzeugerpreise auf Talfahrt geschickt. Das Russland-Embargo hat diese Entwicklung deutlich verstärkt, stellt der Verband in seiner Bilanz der ersten Hälfte des Wirtschaftsjahres 2014/15 fest. Deswegen fordert der DBV das Bundeslandwirtschaftsministerium auf, Exportinitiativen weiter zu intensivieren, um bestehende Märkte auszubauen und neue Exportmärkte zu erschließen.

Der DBV bleibt jedoch optimistisch. „Die aktuelle Marktschwäche ist keine Marktstrukturkrise“, stellt der Verband fest. Die fundamentalen positiven Trends bei Agrar- und Lebensmitteln blieben bestehen; weltweit sei die Nachfrage nach sicheren und hochwertigen Lebensmitteln ansteigend.

Hohe Prämien für Qualitätsweizen

Für Getreide ist nach Einschätzung des DBV das Preistal bereits durchschritten. So erreichten die Erzeugerpreise für Brotweizen Ende des Jahres im Bundesdurchschnitt wieder ein Niveau von 170 €/t. Hinzu kämen attraktive Prämien für Qualitätsweizen. Für die Preisentwicklung in den kommenden Monaten sei entscheidend, wie die Getreidebestände durch den Winter kommen. Für Kartoffeln bleibt das Vermarktungsjahr jedoch schwierig. Die Landwirte werden vermutlich 2015 den Anbau einschränken, sagt der DBV voraus.

Superabgabe beutelt die Milcherzeuger

Am Milchmarkt blicken die Erzeuger auf ein „zwiespältiges Jahr 2014“ zurück, so der DBV. Nach Milchauszahlungspreisen um die 40 Cent je Kilogramm zu Jahresbeginn setzte eine deutliche Preiskorrektur ein. Mittlerweile zahlen Molkereien allenfalls etwa 30 Cent. Hier hat nach Angaben des Verbandes das Embargo Russlands die deutsche Milchwirtschaft besonders hart getroffen. Deutsche Landwirte sind zudem gebeutelt, weil sie im letzten Jahr der Milchquote eine rekordhohe Superabgabe von 164 Mio. € auferlegt bekommen haben. Die Marktlage wiederum soll sich frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2015 verbessern, zitiert der DBV Marktexperten.

Schweinepreise bleiben unter Druck

Einen regelrechten Preiseinbruch gab es 2014 am Schweinemarkt. Auch hier war es letztlich das Russland-Embargo, das den Schweinepreis abstürzen ließ. Eine Besserung ist noch nicht in Sicht, denn in der gesamten EU stehen die Schlachtschweinepreise derzeit unter Druck. Das Angebot an Schlachtschweinen ist reichlich. Nachgegeben hat 2014 auch der Jungbullenpreis, der nach DBV-Erhebungen mit 3,60 €/kg im Jahresmittel rund 17 Cent unter dem Vorjahrespreis lag. Das rege Weihnachtsgeschäft lässt jedoch auf leicht steigende Preise hoffen, macht der DBV Mut.

Positiv hat sich nach Einschätzung des DBV der Geflügelfleischsektor entwickelt. Die Deutschen essen zunehmend mehr Geflügelfleisch. Die Erzeugerpreise für Hähnchen lagen 2014 nach DBV-Angaben allerdings deutlich unter dem Vorjahresniveau. Die Ausbrüche von Geflügelpest hatten jedoch bisher keine negativen Preisauswirkungen. (db)
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