Polnische Futtermittelhersteller und Mühlen haben zunehmend Schwierigkeiten, überhaupt noch Getreide kaufen zu können. Die meisten Landwirte sind ausverkauft und bereiten die Vermarktung der neuen Ernte vor. Alterntig fehlt es an allem, berichtet die Wirtschaftskammer für Getreide und Futtermittel in Warschau: Roggen, Hafer, Triticale und vor allem Weizen sind zur Rarität geworden.

Im Juli wird es für einige Verarbeiter eng

Die meisten Verarbeiter versuchen, irgendwie den Anschluss an die Ernte zu schaffen, aber einige Unternehmen verfügen nicht über ausreichende Vorräte für den Monat Juli. Die Großhandelspreise für Mahlweizen sind mittlerweile auf umgerechnet 172,50 bis 180 €/t franko Mühle angestiegen, bei Roggen berichtet die Kammer von umgerechnet 155 bis 165 €/t. Die Preise für neuerntige Ware sind etwa 25 bis 35 €/t niedriger angesiedelt.

Exporte sind noch einmal gestiegen

Grund für die aktuell enge Versorgung sind die hohen polnischen Getreideexporte 2016/17. Denn die Ernte 2016 war mit 30,1 Mio. t eigentlich hoch. Das agrarökonomische Instituts IERiGZ in Warschau schätzt jetzt, dass in der gerade beendeten Saison Polen 6,3 Mio. t Getreide exportiert hat. Das wären noch einmal 3 Prozent mehr als der bereits sehr hohe Umfang 2015/16. Außerdem ist wesentlich mehr Getreide verfüttert worden, vor allem in der aufstrebenden Hähnchenmast. Deswegen geht das IERiGZ davon aus, dass die Endbestände im Vergleich zum Vorjahr Ende Juni 2017 um fast 70 Prozent auf 1,2 Mio. gefallen sind.

Neue Ernte etwas kleiner als im Vorjahr

Die neue Getreideernte wird voraussichtlich etwas kleiner als im Vorjahr. Das IERiGZ schätzt zurzeit 29,4 Mio. t, das Warschauer Statistikamt 29,5 Mio. t und das polnische Landwirtschaftsministerium 29,6 Mio. t. Die Ernte wäre nach diesen Erwartungen etwa 2 Prozent kleiner als im Vorjahr. Grund dafür ist, dass die Aussaatbedingungen ungünstig waren – im Herbst zu trocken und im Frühjahr zu kalt. Seither haben die polnischen Getreidebestände jedoch ausreichend Niederschläge und Wärme abbekommen, sodass die Erträge durchaus ansehnlich sein dürften. Davon geht auch der EU-Prognosedienst MARS aus, der kürzlich für Polen überdurchschnittliche Erträge vorausgesagt hat. (db)
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