Märkte am Mittag

Getreidemarkt zwischen Wetter und Berlusconi


Gegen Mittag dreht Weizen an der Matif wieder in die grünen Zahlen. Im physischen Geschäft herrscht eine abwartende Haltung vor.

Um 2 €/t ins Plus dreht der Mahlweizen-Future für den Frontmonat März an der Pariser Matif heute Mittag und klettert damit nach dem deutlichen Rückgang des Vortages wieder aufwärts. Immerhin 1 €/t fester als am Vortag wird der folgende Termin Mai bewertet mit 234,50 €/t. Leicht im grünen Bereich liegen zu dem Zeitpunkt auch der Mais- und der Weizen-Future an der Chicago Board of Trade (CBoT). Die Sojabohne in Chicago und der Raps in Paris liegen allerdings weiter in den roten Zahlen. Der Frontmonat Mai an der Matif wird mit 465,50 €/t bewertet und damit 0,5 €/t schwächer als am Vortag.

Am physischen Weizenmarkt erklären Verarbeiter und Händler den schwachen Wochenstart der Börsen mit den negativen Vorgaben aus Chicago. Dort hatte der Weizen-Future am Montag kräftig nachgegeben, da ein Schneesturm über den von Dürre geplagten Weizenanbaugebieten Hoffnungen auf Entspannung für die Bestände geweckt hat. Passend dazu hat das US-Agrarministerium USDA seine Bewertungen der Winterweizenbestände nach oben gesetzt und sieht nun 23 Prozent der Pflanzen im wichtigen Anbaustaat Kansas in guter bis sehr guter Verfassung nach zuvor nur 20 Prozent.

Ganz allgemein haben die Parlamentswahlen in Italien und Befürchtungen vor einer erneuten Regierungszeit Berlusconis am Vortag bereits die Finanzmärkte weltweit zittern lassen. Nachdem nun die Wahlergebnisse feststehen und eine Pattsituation zwischen den konkurrierenden politischen Lagern herrscht, dauert die Verunsicherung an. „Der Euro ist aktuell schwächer, vielleicht ist das auch ein Grund, warum die Weizenkurse an der Matif wieder nach oben laufen“, sagte ein Gesprächspartner aus dem nordwestdeutschen Großhandel zu agrarzeitung.de. Für den heutigen Handelstag am Kassamarkt rechnet er mit „ganz, ganz ruhiger Geschäftstätigkeit“. An den Börsen könnten die Kurse gleichwohl etwas Boden gutmachen in einer technischen Reaktion auf die Vortagesverluste.

Im physischen Getreidehandel ist aktuell Zurückhaltung das Gebot der Stunde. Die Käufer sehen nicht so recht ein, nach den zuletzt schwachen Börsenvorgaben hohe Prämien auf Getreide am Kassamarkt zu gewähren. Die Käufer wiederum setzen darauf, dass die zittrigen Börsen wieder nach oben marschieren und warten ab, bevor sie Ware verkaufen.

Ein einheitliches Preisniveau ist schwer auszumachen. B-Weizen, franko Hamburg, Basis März, wird mit einer Prämie von 10 €/t über dem März-Termin an der Matif besprochen. Für Futterweizen wurden heute Vormittag franko Ostdeutschland dem Vernehmen nach 255 €/t franko gezahlt, während gleichzeitig Preise von 250 €/t besprochen wurden. Aktuell wandert auch immer mal wieder B- oder sogar A-Weizen in die Futtertröge, wo es sich von den Frachtkosten her rechnet.

Die Mühlen müssen, so die aktuelle Einschätzung, ab April wieder mehr Präsenz am Kassamarkt zeigen. (pio)
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