Eine hohe Milchanlieferung in Deutschland und anderen europäischen Ländern verursacht Preisdruck. Um 3,1 Prozent übertraf die in Deutschland erzeugte Milchmenge im Jahr 2015 die Produktion des Vorjahres. Mit mehr als 31 Mio. t sei soviel Milch erzeugt worden wie nie zuvor, sagte der Präsident des Milchindustrieverbandes (MIV), Dr. Karl-Heinz Engel, heute in Berlin.

Auf dem traditionellen „Milchpolitischen Frühschoppen“ des MIV beschrieb Engel die schwierige aktuelle Lage auf dem Milchmarkt. Das seit August 2014 wegen der von Russland verhängten Importsanktionen für europäische Molkereiprodukte fehelnde Geschäft sei jedoch nur „der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“, meinte Engel. Die unruhige Situation in den Ländern Nordafrikas, des Nahen und Mittleren Osten sowie eine schwächere Nachfrage Chinas trügen ebenso zum Druck auf die Milchpreise bei.

Es bestehe jedoch begründete Hoffnung, dass sich die Milch- und damit die Erzeugerpreise in der zweiten Jahreshälfte 2015 wieder erholten. Die positiven, globalen Megatrends mit Blick auf eine wachsende Weltbevölkerung, wirtschaftliche Entwicklung und steigende Nachfrage bleiben jedenfalls bestehen, zeigt sich Engel überzeugt. Vor dem Hintergund der bestehenden Unsicherheiten erscheine allerdings ein Durchschnittspreis von 30 bis 31 Cent pro kg Milch im Jahr 2015 als realistisch, so die Einschätzung des MIV. (jst)
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