Weltgetreideernte

IGC erwartet neue Rekordmarken

Um gleich 23 Mio. t höher als Ende Juli schätzt der IGC in seinen am Donnerstag veröffentlichten Zahlen die globale Getreideerzeugung 2016/17. Vor einem Monat hatte er ebenfalls schon einmal um 20 Mio. t aufgestockt.

Russische Ernte füllt Lücken anderswo

Bei Weizen fällt vor allem die sehr große Ernteerwartung in Russland ins Gewicht. Der IGC nennt 70 Mio. t, was allerdings nicht die höchste Zahl im Markt ist. Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) hat vor zwei Wochen 72 Mio. t geschätzt. Mit dieser Ernte würde Russland nach der Erwartung der Amerikaner in der laufenden Saison größter Weizenexporteur. Die hohe russische Weizenernte gleicht darüber hinaus Rückgänge aus, die sich in einigen EU-Ländern, allen voran in Frankreich, abzeichnen.

Der IGC beziffert die französische Weizenernte (Weich- und Hartweizen) auf 30,5 Mio. t. und folgt damit der Schätzung der Statistikabteilung des Agrarministeriums in Paris, die Anfang August 29,1 Mio. t Weichweizen plus 1,4 Mio. t Hartweizen genannt hat. Insgesamt könnte die globale Weizenerzeugung in dieser Saison 743 Mio. t erreichen, meinen IGC und USDA jetzt übereinstimmend. Es wäre ein neues Rekordergebnis.

Die Maiserzeugung wiederum erhält vor allem durch positive Prognosen in den USA Auftrieb. Der IGC rechnet mit einer globalen Maiserzeugung 2016/17 von 1,03 Mrd. t, ebenfalls in Übereinstimmung mit dem USDA. Die Menge würde wie bei Weizen eine neue Rekordmarke setzen.

Weizenmarkt spaltet sich auf

Der IGC weist aber auch darauf hin, dass die Qualitäten von Brotweizen vielerorts durch eine verregnete Ernte gelitten haben. Deswegen fällt voraussichtlich viel Futterweizen an, und der Weizenmarkt wird sich aufspalten. Während Qualitätsweizen regional gesucht sein wird, erwartet der IGC ausgeprägten Angebotsdruck auf dem Futtergetreidemarkt, weil Mais ebenfalls überreichlich vorhanden ist.

Über alle Getreideernten hinweg geht der IGC von einem Bestandsaufbau 2016/17 aus. Die Vorräte von Getreide (ohne Reis) könnten im Vergleich zu 2015/16 um 23 Mio. t auf 492 Mio. t anwachsen. Die Menge entspricht 24 Prozent des Jahresverbrauchs. Allerdings weist der IGC darauf hin, dass sich 200 Mio. t dieses Getreides, also mehr als 40 Prozent der globalen Vorräte, in China befinden. Das bedeutet zweierlei: Erstens sind die chinesischen Vorräte nicht frei für den Weltmarkt verfügbar. Zweitens sind die Mengen politische Manövriermasse der chinesischen Regierung. Plötzliche Markteingriffe können jederzeit Turbulenzen auf den globalen Märkten auslösen. (db)
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