Vogelgrippe

Impfung spaltet US-Geflügelwirtschaft

Während die Vogelgrippe in den USA die Eierpreise auch in Europa und Deutschland in die Höhe treibt, streitet die US-Geflügelwirtschaft über das Für und Wider eines Impfprogramms gegen das Virus. Insgesamt hat der schwere Vogelgrippe-Ausbruch in den USA den Tod von mehr als 46 Millionen Hühnern und Truthähnen gefordert.

Impfstoff vorerst zurückgezogen

Das US-Agrarministerium USDA hat kürzlich die Herausgabe eines Impfstoffes wegen mangelnder Wirkkraft zurückgezogen. Bei Hühnern zeige sie nur zu 60 Prozent Wirksamkeit, die Effektivität bei Truthähnen werde in USDA-Labors noch geprüft, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Das Ministerium unterstützt unterdessen weiter die Entwicklung neuer Impfstoffe.

In besonders hart betroffenen Produzentenstaaten wie Minnesota, wo bis dato rund 9 Millionen Tiere der Vogelgrippe zum Opfer fielen, fordern Tierhalter die Bereitstellung eines Impfstoffs. Sie bekommen Unterstützung seitens der Politik. So fordern auch hochrangige Agrarpolitiker in dem Bundesstaat ein Impfprogramm. Ohne ein solches Programm sei der Fortbestand der Geflügelwirtschaft in dem Bundesland, dem größten Produzenten von Truthahnfleisch in den USA, gefährdet.

In Gebieten dagegen, die noch nicht so stark von dem Vogelgrippe-Ausbruch gefährdet sind, laufen auch Branchenvertreter gegen ein Impfprogramm Sturm. Bevor eine Impfung zugelassen würde, müssten erst weitere medizinische Tests und wirtschaftliche Folgenabschätzung durchgeführt werden, lautet ihr Vorbehalt. Sie fürchten, dass Importeure in Reaktion auf ein nationales Impfprogramm generelle Einfuhrsperren für US-Geflügelfleisch und Eierprodukte verhängen könnten. Bisher haben sich die meisten Abnehmer mit Einfuhrbeschränkungen für Produkte aus betroffenen Regionen beschränkt. Doch schon heute schätzt der Verband der US-Geflügelfleisch- und Eierexporteure den wirtschaftlichen Schaden durch das Virus im Außenhandel auf 600 Mio. US-$ im ersten Jahresquartal.

Zudem sehen manche Vertreter der Geflügelwirtschaft die Gefahr, dass geimpfte Tiere das Virus weitergeben, ohne selbst zu erkranken. Das würde eine Eindämmung der Vogelgrippe im Endeffekt erschweren, da Virusträger schwer zu identifizieren seien. Auch könne eine Impfung nicht als einzige Strategie eingesetzt werden, um die Vogelgrippe in den Griff zu bekommen: Sie müsse mit verbesserten Hygienestandards auf den Farmen sowie einer konsequenten Keulung infizierter Tiere einhergehen.

Niederländische Exporteure in den Startlöchern

Während die Debatte über das Für und Wider eines Impfprogramms läuft, hat das USDA prinzipiell vier niederländische Erzeuger von Eiprodukten für den Export Richtung USA zugelassen. Allerdings ist diese Zulassung auf Produkte beschränkt, die aus Eiern hergestellt wurden, die in den Niederlanden erzeugt worden sind. Aktuell fehle noch ein gültiges Veterinärzertifikat, bevor der Handel wieder aufgenommen werden könne, berichtet der USDA-Attaché in Den Haag. Die Niederlande exportieren laut USDA-Statistik jährlich rund 165.000 t Eiprodukte. (pio)
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