Hamburger Getreidebörse

Innerdeutscher Handel ist aktiv

Der Börsensaal in Hamburg war zur Norddeutschen Gemeinschaftsbörse am Donnerstag dicht gefüllt. Die Veranstalter hatten mit Ende April den richtigen Zeitpunkt gewählt, an dem sich Händler und Verarbeiter über das Geschäft bis zum Anschluss der neuen Ernte austauschen können. Aber auch die neue Ernte kam zur Sprache, wenngleich kein Marktteilnehmer zum jetztigen Zeitpunkt eine exakte Prognose über Menge und Preise abgeben möchte. 

B-Weizen in Hamburg neue Ernte wird derzeit um die 170 €/t ex Ernte aufgerufen. Damit ist die Spanne zwischen alter Ernte mit derzeit 173 €/t und neuer Ernte eher gering. Doch gibt es für höhere Kurse wenig fundamentale Daten. Die Aufregung um das Aprilwetter wollen besonders die Mühlenvertreter nicht überbewerten. Sie warten mit Kontrakten noch die Bestandsentwicklung im Mai ab. Nach Einschätzung von Händlern sind im Norden und Osten erst 10 bis 15 Prozent der neuen Weizenernte kontrahiert. Eine Orientierung gibt an der Matif der Dezember-Kontrakt. Hier ziehen die Kurse in den vergangenen Tagen leicht an. Internationale Händler führen dies vor allem auf Währungseinflüsse von Euro und US-Dollar zurück. Und an der Matif in Paris schlägt sich auch der Ausgang der französischen Präsidentschaftswahl nieder, die erst am 7. Mai entschieden wird.

Der deutsche Getreideexport 2016/17 hat leider nicht die hohen Erwartungen erfüllt, wie sich noch nach der schlechten Ernte 2016 in Frankreich vermuten ließ. Zwar haben Schiffe Hamburg und Rostock in nordafrikanische Destinationen verlassen, die sonst französischen Weizen kaufen. Aber im Großen und Ganzen konnte Deutschland nicht in die „Frankreich-Lücke“ einspringen, das haben die Schwarzmeerländer übernommen. Hier fällt auch die schwache Ernte im Norden und Nordosten Deutschlands 2016 ins Kontor.

Teilweise kam es zum „wash-out“, das bereits für den Export gehandelter Weizen wieder zurückgekauft wurde und schließlich als Futtergetreide in Südoldenburg landete. Denn die Mischfutterindustrie entwickelt sich in diesem Wirtschaftsjahr zu einem der größten Abnehmer von Futter- und Brotgetreide. Die Milchkrise habe keine sichtbaren Spuren beim Mischfutterabsatz hinterlassen, sagten Mischer in Hamburg. Die große Nachfrage dürfte weiter anhalten. Bestpreise von 165,00 €/t und darüber werden derzeit für Roggen bezahlt, der vorwiegend in ostdeutschen Bioethanolanlagen landete und jetzt eine Rarität darstellt, für den die Mühlen tief in die Tasche greifen müssen. (da)
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