Wetterkapriolen

Kanada erhofft Schätze im Schnee


Die Marktabteilung des kanadischen Agrarministeriums rechnet damit, dass im Herbst 2016 im Westen Kanadas etwa 5 Prozent der Druschfläche nach den frühen und heftigen Schneefällen nicht mehr geerntet werden konnte. Sollten die Felder im Frühjahr schnell abtrocknen, könnten die Landwirte noch etwa 3 bis 6 Mio. t Getreide und Ölsaaten zusätzlich ernten. Diese Mengen sind in den Ernteschätzungen von Statistics Canada für 2016 bislang nicht enthalten.

Aber auch ohne die Mengen, die jetzt noch unter Schnee liegen, ist die kanadische Ernte 2016 reichlich ausgefallen. Statistics Canada hatte im November eine Weizenernte von insgesamt 31,7 Mio. t und damit einen Anstieg um 15 Prozent im Vergleich zu 2015 geschätzt. Üppig ist auch das Ergebnis bei Gerste. Die Erzeugung steigt in Kanada im Vergleich zum Vorjahr um 7 Prozent auf 8,8 Mio. t.

Braugerstenprämie schmilzt ab

Mittlerweile hat sich in Kanada außerdem herausgestellt, dass die Braugerstenqualitäten besser ausgefallen sind als ursprünglich erwartet. Da insgesamt das Gerstenangebot am Weltmarkt recht hoch ist, auch angesichts der reichlichen australischen Ernte, schrumpft die Braugerstenprämie. Noch im Oktober hatte der Abstand zwischen Futter- und Braugerste am Weltmarkt 80 US-$/t erreicht. Jetzt ist sie nach Beobachtungen des Ministeriums auf den mehrjährigen Durchschnittswert von etwa 40 US-$ gefallen.

Darüber hinaus fällt die kanadische Rapsernte mit 18,4 Mio. t trotz einer deutlich verringerten Anbaufläche noch etwas höher aus als im Vorjahr. Auch das Rekordergebnis von 2013 von 18,6 Mio. t könnte noch getoppt werden. Denn möglicherweise können im Frühjahr noch 0,5 bis 1,0 Mio. t Raps gerettet werden, die im Herbst 2016 von den frühen Schneefällen erfasst worden sind.

Ölmühlen laufen auf Hochtouren

Die Rapsverkäufe in Kanada laufen äußerst rege, berichtet das Ministerium weiter. Bis Anfang Dezember hätten die Landwirte schon ein Drittel der Ernte verkauft – deutlich mehr als im Vorjahr. Grund ist die lebhafte Nachfrage der kanadischen Ölmühlen, die nach Angaben des Ministeriums zurzeit 15 Prozent mehr Menge verarbeiten als im Vorjahr. Deswegen bleibt weniger Raps für Exporte übrig. Die Marktabteilung schätzt 2016/17 im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 7 Prozent auf 9,5 Mio. t.

Winterweizenfläche geht zurück

Schließlich berichten die Marktbeobachter im Ministerium, dass die Aussaat von Winterweizen durch den frühen Wintereinbruch behindert worden ist. Sie rechnen damit, dass die Anbaufläche zur Ernte 2017 um 12 Prozent auf unter 600.000 ha gesunken ist. Winterweizen hat allerdings in Kanada wesentlich weniger Bedeutung als Sommerweizen. An der gesamten kanadischen Weizenernte stellen die im Herbst gesäten Sorten lediglich einen Anteil von etwa 15 Prozent. Bei Raps werden wegen der harten kanadischen Winter ohnehin nur Sommersorten angebaut. (db)
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