Eine aktualisierte Rapsbilanz legt das Agrarministerium in Ottawa vor. Grund sind veränderte Annahmen zur Aussaat- und Erntefläche von Canola-Raps nach dem späten Frosteinbruch im Mai. Das Ministerium schätzt jetzt, dass Raps auf weniger als 7,9 Mio. ha ausgesät worden ist und auf weniger als 7,8 Mio. ha geerntet werden kann.

Raps an der Fruchtfolgegrenze

Die geringere Aussaatfläche war bereits im April von der kanadischen Statistikbehörde erwartet worden. Dafür gibt es nach Aussage von Chris Beckman aus der Marktabteilung im Ministerium mehrere Gründe. Zum einen sind die Rapspreise in Relation zu den Getreidepreisen in Kanada vergleichsweise schwach. Zum anderen ist Raps nach den Flächenausdehnungen der Vorjahre offenbar an die Fruchtfolgegrenze gestoßen – spürbar auch in einem hohen Krankheitsdruck.

Frost zur Unzeit

In diesem Jahr hatte die Aussaat für kanadische Verhältnisse früh und zügig begonnen. Daraus leiteten sich zunächst recht optimistische Ertragserwartungen ab. Diese sind jedoch Vergangenheit, weil später Frost und Schneefall im Mai die Entwicklung der bereits gesäten Bestände unterbrochen und die weitere Aussaat behindert hat. Beckman berichtet, dass Landwirte auf einigen Flächen bis zu zwei Mal nachgesät haben, um halbwegs vernünftige Feldbestände zu erreichen.

Sehr niedrige Bestände

Die kanadische Rapsernte 2015 schätzt das Ministerium jetzt auf 14,9 Mio. t und damit um 4 Prozent kleiner als vor einem Jahr. Außerdem geht die Marktabteilung davon aus, dass nur Anfangsbestände von 950.000 t vorhanden sind – im Vergleich zu mehr als 2,4 Mio. t im Sommer 2014. Deswegen steht in Kanada 2015/16 wesentlich weniger Raps für Exporte zur Verfügung. Das Ministerium rechnet mit einem Rückgang im Vergleich zur aktuellen Saison um 13 Prozent auf 8,0 Mio. t im neuen Wirtschaftsjahr. Dennoch dürften die Endbestände weiter schrumpfen auf nur noch 500.000 t bis zum Sommer 2016.

Preise unter Druck

Höhere Preise leitet das Ministerium aus dieser Konstellation jedoch nicht ab. Für die Notierung in Winnipeg prognostiziert die Marktabteilung eine Spanne von 450 bis 490 Can-$ (325 bis 353 €/t) - im Vergleich zu aktuell 495 Can-$ (357 €/t) für den vorderen Termin Juli 2015. Als Grund nennt Marktexperte Beckman das hohe Angebot an konkurrierenden Ölsaaten. (db)
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