Ernteschätzung

Kanadas Rapsbilanz bleibt eng

Noch stehen die Zeichen auf eine recht hohe Ernte von Canola-Raps. Denn die Anbaufläche erreicht 2017 in Kanada mit 9,2 Mio. ha ein noch nie gekanntes Ausmaß. Erstmals ist sie größer als die Weizenfläche, hat das kanadische Statistikamt Ende Juni festgestellt. Die Frage ist aber, wie stark in dieser Saison die Erträge unter ungünstigem Wetter gelitten haben.

Es könnten leicht unterdurchschnittliche Erträge werden, lautet jetzt die Einschätzung in Kanada. Chris Beckman aus der Marktabteilung im Agrarministerium in Ottawa nennt in seinem am Dienstag veröffentlichten Bericht 2,03 t/ha. Im Juli war seine Abteilung noch von 2,09 t/ha ausgegangen. Im Vorjahr war ein Rekordertrag von 2,39 t/ha eingebracht worden. Die kanadischen Erträge sind generell wesentlich niedriger als in weiten Teilen Europas, weil in Kanada ausschließlich Sommerraps angebaut wird und die Vegetationsperiode recht kurz ist.

Spanne von 18,0 bis 20,5 Mio. t

Mit dem jetzigen Ertrag errechnet sich eine kanadische Ernte von 18,6 Mio. t, die noch einmal um 1 Prozent größer werden könnte als im Vorjahr. Weniger optimistisch waren bisher die Analysten von Oil World, Hamburg, mit 18,0 Mio. t. Sie weisen aber ebenfalls darauf hin, dass dringend benötigte Regenfälle seit Mitte August in einigen Trockengebieten die Ertragsaussichten möglicherweise verbessert haben und die Ernte 18,5 bis 19,0 Mio. t erreichen könnte. Das amerikanische Agrarministerium (USDA) taxiert in seinem Augustbericht die kanadische Rapsernte sogar auf 20,5 Mio. t.

Grund für die großen Abweichungen ist der bisherige Witterungsverlauf. In den wichtigen Anbaugebieten Westkanadas war es lange viel zu trocken und im Juli überdurchschnittlich heiß. Eine Abkühlung und etwas mehr Niederschläge gibt es erst seit August. Zu viel Regen haben dagegen im bisherigen Vegetationsverlauf die Landwirte im Osten Kanadas abbekommen.

Sehr enge Rapsbilanz

Fragezeichen wirft auch die kanadische Rapsbilanz auf. In den Kalkulationen des Ministeriums für die zurückliegende Saison 2016/17 fehlen 730.000 t Raps. Denn mittlerweile liegen Daten zur kanadischen Ölmühlenverarbeitung und zu den Exporten vor, die so hohe Werte ausweisen, dass sie vom verfügbaren Angebot nicht gedeckt sind. Das Ministerium weist allerdings darauf hin, dass die Bilanzzahlen im Dezember noch revidiert werden müssen. Wahrscheinlich gibt es dann neue Zahlen für die Anfangsbestände aus der Vorjahresernte. Ende des Jahres liegen dann auch genauere Erkenntnisse zur diesjährigen kanadischen Ernte vor. (db)
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