Um knapp 4 Prozent weiten die Kartoffelerzeuger in Deutschland, Belgien, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden ihre Anbaufläche aus. Damit werden Konsumkartoffeln auf rund 547.000 ha wachsen. Das erwartet der Verband der Nordwesteuropäischen Kartoffelerzeuger (NEPG). Treibende Kraft bei der Flächenausdehnung sind die Belgier, die um 6,4 Prozent mehr Fläche bepflanzen. In Großbritannien reagieren die Erzeuger offenbar nicht auf die guten Preise der Saison 2015/16 und halten den Anbau 2016 konstant.

Witterung bremst Pflanzarbeiten

Trotz dieser größeren Anbaufläche erwartet der NEPG nicht zwingend eine größere Kartoffelernte. Denn das kühle und regnerische Frühjahr hat die Pflanzarbeiten flächendeckend ausgebremst. 40 Prozent der geplanten Flächen sind noch gar nicht bestellt. Die Erzeuger sprechen von einer Saisonverzögerung von zwei bis drei Wochen. Auch für die bereits gepflanzten Bestände geht es bei niedrigen Temperaturen nicht recht voran. Damit kommen schon Zweifel auf, ob der Anschluss der Industrie zwischen der alten und der neuen Ernte gelingen wird. Zudem ist die weltweite Nachfrage nach vorgebackenen Kartoffelprodukten groß. Die Industrie fragt derzeit rege Ware aus der Ernte 2015 nach. Es ist geplant, auch während der Ferienzeit zu produzieren anders als in anderen Jahren.

Briten erwarten mehr Importe

In Großbritannien spricht man bereits von einer Versorgungslücke, die sich bei derart verzögerten Pflanzarbeiten einstellt. Importe könnten von Juni bis September gefragt sein, bis auf der Insel heimische Ware zur Verfügung steht. Allerdings rechnen die Briten nicht unbedingt mit Lieferungen aus den Regionen, in denen jetzt ebenfalls spät gepflanzt wird. Vielmehr orientieren sich die Händler von der Insel bereits Richtung Mittelmeer. (brs)
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