Erzeuger haben ihre Milchanlieferungen zwar nicht weiter gesteigert, dienen aber höhere Mengen als im Vorjahr an. „Für uns ist keine Drosselung der Milchmengen erkennbar“, heißt es passend dazu von Verarbeitern. Vereinzelt steigen kleinere Erzeuger aus der Produktion aus, berichten Berater. Meist handle es sich dabei um Betriebe, bei denen ein Ende der Milchproduktion schon länger ein Thema war. Größere Betriebe, vor allem jene mit niedrigen Eigenkapitalquoten, würden dagegen eher mehr produzieren, um die niedrigen Preise zumindest teilweise durch einen höheren Mengenabsatz auszugleichen.

Einkäufer schöpfen aus dem Vollen

Bei den jüngsten Preisverhandlungen zwischen Molkereien und dem LEH für Handelsware der weißen Linie (Trinkmilch, Joghurt und Quark) bewegten sich die Preise dem Vernehmen nach auf niedrigem Niveau. Ausnahme bildet die Trinkmilch: Für dieses Produkt hatten einige Unternehmen des LEH Preiserhöhungen von 4 bis 5 ct/l gewährt. Bei den Molkereien war das nicht nur auf Beifall gestoßen, denn von der Aktion profitieren die Hersteller sehr unterschiedlich. An Molkereien die keine Trinkmilch produzieren geht die Aktion komplett vorbei, andere erzielen überdurchschnittliche Mehreinnahmen. Weil nur etwa 15 Prozent der Rohmilch zu Trinkmilch verarbeitet werden, ist der Effekt für den Gesamtmarkt ohnehin gering.

Erholen könnten sich die Auszahlungspreise der Molkereien nur, wenn es auch in den anderen Produktgruppen deutliche Aufschläge geben würde. Doch angesichts des drängenden Angebotes sehen die Einkäufer der großen Handelsketten dafür keinen Grund. So verwundert es nicht, dass die Molkereien von der letzten Verhandlungsrunde bei Käse enttäuscht sind und von einem „schwachen Ergebnis“ sprechen. Für die kommenden sechs Monate sind damit die Preise weiter auf niedrigem Niveau fixiert.

Trendwende kaum erkennbar

Der jüngste Anstieg des vom Institut für Ernährungswirt berechneten Kieler Rohstoffwertes ist deshalb nur ein schwacher Trost. Zwar hat sich der Index von seinem historischen Tiefststand im August (22,1 ct/kg) bis Oktober auf 25,1 erholt, eine wirkliche Trendwende ist damit aber noch nicht verbunden. Dazu passen Berichte von Erzeugern. Demnach bewegt sich der Milchmarkt in Ostdeutschland auf einem stabilen, aber sehr niedrigen Niveau. Seit Juni treten die Milchpreise für die Milcherzeuger auf der Stelle. In Mitteldeutschland liegt der Auszahlungspreis der Molkereien an die Erzeuger zwischen 26,5 und 28 Cent/Liter Milch. Im Nordosten berichten Produzenten von 26,6 bis 27,8 Cent/Liter Milch.

Getrübt werden die Hoffnungen auf ein Ende der aktuellen Milchkrise durch schlechte Nachrichten aus Neuseeland. Die Preise auf der Internet-Auktion Global Dairy Trade der neuseeländischen Molkereigenossenschaft Fonterra sind nach einer Erholungsphase im August und September zuletzt wieder gefallen. Vor allem die Milchpulverpreise haben kräftig Federn gelassen.

Schwacher Euro weckt Hoffnungen

Passend dazu beschreiben Exporteure die Nachfrage nach Milchpulver als ruhig, was Neugeschäft angeht. Generell sei man mit dem Export mengenmäßig recht zufrieden; allerdings seien die Preise schwach. Zuversichtlich stimmt den Ausfuhrhandel die Entwicklung des Eurokurses zum US-Dollar. Aktuell hat der Euro weiter nachgegeben und ist unter die Marke von 1,10 US-$ gefallen. Ein schwacher Euro erhöht die Wettbewerbsfähigkeit von EU-Ware auf dem Weltmarkt – zumal die Konkurrenz aus den USA zuletzt stark war.

Chinas Nachfrage schwächelt

So ist der aktuelle Preisdruck vornehmlich auf den weltweiten Anstieg der Milchproduktion zurückzuführen. Die vergleichsweise große Menge trifft auf teilweise schwierige Absatzbedingungen. Besonders nachteilig macht sich nach wie vor der eingebrochene Importmarkt Chinas bemerkbar. Die Ursachen dafür sind offensichtlich überzogene Einkäufe chinesischer Abnehmer im vierten Quartal 2013 und im ersten Halbjahr 2014. Auch hinterlässt ganz grundsätzlich die Konjunktureintrübung im Reich der Mitte ihre Spuren. Allerdings sehen Marktbeobachter, seit Juli dieses Jahres erste Hinweise, dass sich die Importmengen Chinas wieder in etwa auf dem Niveau von 2013 bewegen. Zudem spürt die europäische Milchwirtschaft weiterhin den Importstopp Russlands. Dadurch müssen - in Milchäquivalent umgerechnet - für rund 2,3 Mio. t oder 1,6 Prozent der gesamten EU-Milcherzeugung neue Absatzmöglichkeiten gefunden werden.

Und doch sehen Marktbeobachter eine zaghafte Stabilisierung am internationalen Milchmarkt. Zwar lag der kumulierte Außenhandelsumsatz der deutschen Molkereien nach Auskunft des Milchindustrieverbandes (MIV) bis Anfang Oktober 2015 unter dem Vorjahresniveau, doch legte die gesamte EU zum Teil erheblich zu. So konnte zum Beispiel der Export von Butter, Kondens- und Konsummilch sowie Magermilchpulver deutlich erhöht werden. (pio, HH, SB, da)
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