Märkte am Morgen: Getreide

Kursexplosion verpufft schnell

Weizen: Die jüngste Meldung über Restriktionen der russischen Weizenexporte hat die Weizenmärkte und Börsen am Vortag kräftig durcheinandergewirbelt. Von den fast explosionsartig gestiegenen Weizenkursen in Chicago und an der Matif blieben bis Börsenschluss nur noch überschaubare Gewinne übrig. Heute Morgen setzen an der elektronischen Börse in Chicago bereits Gewinnmitnahmen ein und die Kurse notieren mit roten Vorzeichen. Dies könnte auch in Paris zu Gegenreaktion auf die festen Vortage führen.
 
An der Matif blieben von der knackefesten Eröffnung und dem anfänglichen Plus von 10,50 €/t nur noch 1,50 €/t für Januar und März übrig. Die neue Ernte gab sogar stärker nach und verlor bis zu 3,25 €/t. Die äußerst nervösen Märkte beruhigten sich erst wieder mit der Chicagoer Parkettbörse. Die Unsicherheiten und Spekulationen über die künftige Exportpolitik Russlands trieben den Börsenhandel in Paris mit fast 97.000 Kontrakten allerdings zu einem neuen Rekordumsatz. Die Dynamik der Vortage am europäischen Weizenmarkt sucht ihresgleichen, denn in nur drei Sitzungen wurden an der Matif etwa 14,1 Mio. t Weizen gedreht.
 
In Chicago war das Bild ähnlich, in der Vorbörse sprangen die Kurse nach Bekanntwerden der Reuters-Meldung fast 30 Cent/bushel nach oben, gaben ihre Spitzengewinne sukzessive ab. Bei Börsenschluss notierte der März nur noch ein Plus von 6,6 Cent/bushel.  
 
Den Agenturberichten zufolge will Russland mit verkappten Exportrestriktionen möglichst viel Weizen im Land behalten und nur noch seine Lieblingskunden wie Ägypten, die Türkei, Indien oder Armenien bedienen. Die Exportverladungen in andere Länder werden anscheinend auf politische Anweisungen von ganz oben durch die Veterinär- und Phythosanitär-Behörden systematisch blockiert. Es sieht fast so aus, als sollten vorerst  nur noch die Länder russischen Weizen bekommen, die mit Putin und Russland gut können – der Rest muss in die Röhre schauen oder warten. Ein offizielles Embargo lässt sich damit zumindest vorerst vermeiden.  Analysten erwarten, dass von den russischen Maßnahmen keine einschneidenden Einflüsse auf die globale Getreideversorgung ausgehen, zumal die russischen Großkunden Ägypten und Türkei von den Restriktionen ausgenommen sind.
 
Die Weizenexporte aus der EU laufen weiterhin sehr zügig. In dieser Woche hat die EU-Kommission neue Exportlizenzen für Weichweizen von 514.000 t erteilt, die sich damit auf 13,6 Mio. t in dieser Kampagne summieren. In den USA fielen die wöchentlichen Exportzahlen von 476.000 t besser als erwartet und höher als in den Vorwochen aus. Die argentinische Regierung erwartet eine Weizenernte von 13,2 Mio. t und damit 1,2 Mio. t mehr, als die USDA-Schätzung.
 
 
Mais: Die Maiskurse konnten der Weizenrally nicht folgen, auch wenn sie in Chicago zumindest stützend wirkten und die Notierungen um 3,0 Cent/bushel ansteigen ließen. China hat nach übereinstimmenden Aussagen des stellvertretenden Premierministers und des US-Landwirtschaftsministers den Import von gentechnisch veränderten Mais und Maisprodukte mit dem Syngenta-Trait MIR162 genehmigt. Für die chinesischen Maisimporte dürfte die Zulassung der gentechnischen Maissorten kaum extreme Auswirkungen haben, zumal China die Importe aufgrund von aufgrund der Quotenregelung auf 7,2 Mio. t jährlich beschränkt hat. China hat zudem eine sehr gute Maisernte eingefahren und wird nach der USDA-Prognose zum Jahresende auf Maisbeständen von fast 79 Mio. t sitzen - dem höchsten Bestand seit 13 Jahren. Allerdings dürfen die Neuregelung die Importe von DD GS außen USA wesentlich vereinfachen.
 
Auch in Paris schaute sich Mais die Turbulenzen am Weizenmarkt aus der Distanz an. Der Januartermin legte zwar 2,25 €/t zu, dürfte aber wesentlich von Technik und Glattstellungen aufgrund seines absehbaren Endes profitiert haben. Die übrigen Termine gaben erneut etwas nach.
 
Die Maisimporte in die EU gewinnen an Fahrt, denn in dieser Woche wurden neue Einfuhrlizenzen über 272.000 t erteilt. Die Lizenzziehungen haben sich damit auf 3,5 Mio. t Mais addiert, liegen aber rund 500.000 t niedriger als im Vorjahr. (St)
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