Märkte am Mittag

Markt im Stand-by-Modus

Bullische Nachrichten sind am Getreidemarkt Mangelware. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat sich am Vormittag in die Riege der Schätzer eingereiht, die auch für 2015 großzügige Getreideernten prognostizieren. So wächst die Anbaufläche mit Winterweizen zur Ernte 2015 in Deutschland um 3 Prozent im Vorjahresvergleich auf rund 3,3 Mio. ha. Wintergerste steht zur neuen Ernte auf knapp 1,3 Mio. ha, was einem Flächenzuwachs um 3 Prozent gegenüber 2014 entspricht.

Käufer können entspannt auf große Ernte warten

Im nord- und nordwestdeutschen Getreidehandel lösen die Zahlen wenig Überraschung aus: „Das deckt sich mit unseren eigenen Einschätzungen“, sagte ein Marktteilnehmer aus dem Großhandel zu agrarzeitung.de. „Die Daten bestätigen die Käufer in ihrer Strategie, sich zurückzulehnen und entspannt auf eine weitere große Ernte und niedrige Preise zu warten“, schätzt ein Makler die Situation ein.
Das Geschäft am Kassamarkt beschreiben Händler als ruhig. Weder die Abgeber aus der Landwirtschaft und dem Erfassungshandel, noch die Abnehmer aus der Mühlenindustrie und dem Export sind am Markt präsent. B-Weizen, franko Hamburg, Basis September, wird mit 2 bis 3 €/t über dem Matif-Dezember-Termin an der Geld-Stelle bewertet, das wären aktuell 181,50 bis 182,50 €/t. Die Verkäufer zeigen sich ab 183,50 €/t abgabebereit.

Marktteilnehmern fehlen derzeit frische Impulse, die den Preisen eine neue Richtung geben könnten. Sowohl in Deutschland als auch weltweit sind derzeit die Erwartungen an hohe Getreideernten ungetrübt: Die Getreidebestände hierzulande sehen nach Angaben aus dem nord- und nordwestdeutschen Markt gut aus – auch wenn die Niederschläge insgesamt betrachtet dieses Jahr etwas unterdurchschnittlich ausgefallen sind.  „Der Markt steht auf Stand-by“, beschreibt ein Beobachter die Stimmung. Unter Beobachtung steht zumindest im Großhandel die weitere Entwicklung des Wetterphänomens El Niño, das in diesem Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten soll. El Niño geht üblicherweise mit hohen Niederschlägen in Südamerika und den südlichen USA und Trockenheit in Australien und Südostasien einher.

Schwarzmeer-Weizen konkurrenzlos günstig

Unterdessen sind die Weizenpreise an den Börsen in Paris und Chicago wieder zurückgegangen. An der Matif wird der Weizen-Future ‚No. 2‘ zum Frontmonat September 177,75 €/t bewertet, das ist ein Minus von 2,25 €/t gegenüber dem Schlusskurs von Montag. Der Dezember-Kontrakt verliert 2,50 €/t und wird aktuell mit 179,50 /t bewertet. Auch in Chicago dominieren die roten Zahlen. Zum einen haben sich Fonds, die seit Ende vergangener Woche Short-Positionen geschlossen haben und somit die Kurse nach oben getrieben haben, wieder aus dem Markt zurückgezogen. Zum anderen bewertet das US-Agrarministerium die Winterweizenbestände in Kansas in seinem aktuellen Bericht wieder besser. Darüber hinaus kann russischer Weizen im Drittlandsgeschäft mit günstigen Preisen punkten, was sowohl die US-Amerikaner als auch die europäischen Exporteure spüren. (pio)
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