Future No. 3

Matif trifft Hamburger Markt

Die Unsicherheit am deutschen Getreidemarkt ist gut eine Woche nach Einführung des neuen Mahlweizen-Futures 'No. 3' an der Euronext (Matif) in Paris groß. Um die Fragen der Marktteilnehmer zu beantworten, kamen heute Vertreter der Börse ins Hamburger Elysee Hotel. Dort ist ihnen vor allem Unverständnis entgegengeschlagen. Eingeladen zu der Veranstaltung hatten die Bremer Landesbank und das Maklerbüro H.J. Kiefer GmbH.

Verlust der Prämie

"Wir wissen nicht, wie wir Geschäfte auf die neue Ernte absichern sollen", sagte ein Marktteilnehmer. Sichere man sich heute über den neuen, höher bewerteten Mahlweizen-Future 'No. 3' ab, würde man die Prämie verlieren, falls im Sommer der Preisabstand zwischen dem alt bewährten Future 'No. 2' und dem neuen Kontrakt zusammenlaufe. Falls man sich auf den Future 'No. 2' absichert, und im Sommer dann die französische Ernte wieder schlecht ausfällt, habe man ein noch viel größeres Problem, so der Marktteilnehmer weiter. "Die Matif hat ein Casino geschaffen", skizzierte er das Dilemma gegenüber dem Börsenbetreiber.

Das wollte Lionel Porte, der bei der Euronext neue Produkte im Geschäftsbereich Rohstoffderivate entwickelt, so nicht stehen lassen. Die Börse habe kein "Casino" geschaffen, sondern nur weitere Möglichkeiten, betonte er. Die Silo-Betreiber, die heute zur Andienung von Matif-Ware zugelassen wären, hätten auch für die Ernten 2015 und 2016 ihre Anlieferbedingungen heraufgesetzt: "Die Silos nehmen nur Weizen mit 10,5 Prozent Protein und einer hohen Fallzahl an - diese Sicherheit haben Sie auch, wenn die Ernte 2015 wieder schlecht ausfallen sollte", so Porte. 

Dilemma in Geschäften mit der neuen Ernte


Darauf entzündete sich gleich die nächste Kontroverse: Ob man denn dann den neuen Kontrakt überhaupt gebraucht hätte und nicht noch die zwei Jahre abwarten konnte bis der bestehende Future um die Qualitätsvorgaben zu Fallzahl und Protein erweitert wird, wollten die Teilnehmer der Veranstaltung wissen. Porte betonte daraufhin, dass die Euronext vor Einführung des neuen Kontrakts Marktteilnehmer in Europa, sondern auch in den USA, Australien und Kanada befragt hätten. Das Votum sei eindeutig gewesen: Alle wollten nach den Erfahrungen mit der Ernte 2014 in Frankreich schnell einen neuen Kontrakt, der höhere Qualitätsvorgaben festlege.

Die Euronext hatte Ende 2014 zunächst die Kontraktspezifikationen des bestehenden Mahlweizen-Future No. 2 um einen Mindestproteingehalt von 11 Prozent und eine Fallzahl von 220 sek. ergänzt. Diese Spezifikationen können aber erst in Kraft treten, sobald kein Open Interest mehr auf den Kontrakt besteht. Dies wäre frühestens im September 2017 der Fall gewesen - ab dann ist 'No. 2' um diese Vorgaben ergänzt. Der neue Future 'No. 3', der seit dem 2. März handelbar ist mit Laufzeiten ab September 2015, bietet diese Qualitätsvorgaben schon heute an. Allerdings ist das Interesse an dem neuen Future noch sehr gering. (pio)
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