Den Importstopp für europäische Lebensmittel soll die russische Milchwirtschaft als Wachstumschance begreifen. Landwirtschaftsminister Alexander Tkatschjow will der Branche mit einer Finanzspritze in Höhe von 25 Mrd. Rubel (350 Mio. €) auf die Sprünge helfen. Dies berichtet das Moskauer Ministerium vom Milch-Agribusiness-Forum in dieser Woche.

Der Selbstversorgungsgrad des Landes mit Milch wird offiziell auf 81 Prozent beziffert. Doch befindet das Ministerium den Pro-Kopf-Verbrauch deutlich zu gering mit 230 kg im Jahr. Ernährungsexperten empfehlen 310 kg jährlich. Zudem sei Milch eine preiswerte Proteinquelle, betont Tkatschjow. Das dürfte für die russischen Haushalte, die nach wie vor mit der Inflation zu kämpfen haben, entscheidend sein. Westliche Medien hatten zuletzt von einer knappen Versorgungslage berichtet. Die heimische Produktion von Schweine- und Geflügelfleisch entwickele sich bereits dank der strategischen Unterstützung aus dem Ministerium.

Das Geld für den Milchsektor ist sowohl als Investitionshilfe für die landwirtschaftlichen Betriebe gedacht als auch für die Milchverarbeitung. Zudem spricht Tkatschjow von Marktregulierung, mit der er den Sektor langfristig entwickeln will. Die Zuschüsse für Baumaßnahmen werden auf bis zu 35 Prozent angehoben. Auch will das Ministerium im Marketing nachhelfen, indem milchähnliche Produkte, die Palmöl statt Milchfett enthalten, besonders gekennzeichnet werden müssen.

Dabei rechnet das Moskauer Ministerium, dass allein eine Steigerung der Milchleistung je Kuh von den aktuell 2.000 kg im Jahr bereits erhebliche Mengen bringen müsste. Eine Milchleistung in Höhe von 3.000 kg je Kuh und Jahr sieht Tkatschjow in greifbarer Nähe. Wenn die Leistung erst in die Nähe des europäischen Durchschnitts komme, könnten 1,5 Mio. t russische Milch mehr gemolken werden. Die Import könnten dann sofort um 20 Prozent sinken. (brs)
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