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Landwirte werden weltweit im kommenden Wirtschaftsjahr im vierten Jahr in Folge eine Weizenernte einfahren, die den Bedarf übersteigt. Das erwartet das US-Agrarministerium USDA in seiner ersten Prognose für 2016/17, die am Dienstagabend veröffentlicht worden ist. Die neue globale Weizenproduktion beziffert das USDA in seinem Marktbericht ‚Wasde‘ mit 727 Mio. t in der gleichen Größenordnung wie in den beiden Vorjahren.

Da der globale Bedarf 2016/17 nach der USDA-Schätzung zwar im Vergleich zur laufenden Saison ansteigt, aber mit „nur“ 713 Mio. t deutlich unter der Erzeugung liegt, wachsen die Bestände bis zum Ende der Saison auf unvorstellbare 257 Mio. t an. Gemessen am Bedarf errechnet sich ein Anteil von 36 Prozent – ein in den vergangenen Jahren noch nie erreichter Wert.

Argentinien erwartet mehr – die Ukraine weniger

Die wiederholt hohe Erzeugung stammt allerdings nicht aus den USA. Dort erwartet das Ministerium sogar einen weiteren Rückgang der Ernte 2016 auf unter 55 Mio. t. Auch die EU wird die hohe Vorjahresernte nicht ganz erreichen und auf unter 157 Mio. t zurückfallen. Deutlicher ist der Rückgang voraussichtlich in der Ukraine. Gas geben werden nach Einschätzung des USDA dagegen die Argentinier und die Weizenerzeugung kräftig erhöhen. Etwas mehr Weizen könnte auch Russland ernten.

Die globalen Exporte in der neuen Saison schätzt das USDA geringer ein als 2015/16. Dabei verschieben sich aber die Gewichte. Die EU könnten 2016/17 mit Weizenexporten von 35 Mio. t ihre Position als Nummer 1 noch deutlich ausbauen. Die USA ist mangels Angebot und voraussichtlich auch währungsbedingt im Nachteil. Die größte Konkurrenz käme dann auch in der neuen Saison aus Russland.

Schätzungen wesentlich höher als IGC- und FAO-Prognose

Mit seiner Schätzung zur Ernte und den Endbeständen übertraf das USDA alle bisherigen Erwartungen. Der Internationale Getreiderat (IGC) hat Ende April eine globalen Weizenerzeugung 2016/17 von 717 Mio. t geschätzt, also 10 Mio. t weniger als das USDA. Außerdem rechnet der IGC „nur“ mit Endbeständen von 218 Mio. t – also mit fast 40 Mio. t weniger als das amerikanische Ministerium. Groß sind auch die Abweichungen zur Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Diese hatte in der vorigen Woche für 2016/17 wie der IGC eine Weizenerzeugung von 717 Mio. t geschätzt, aber bei einem höheren Verbrauch sogar einen Abbau der Bestände auf unter 200 Mio. t vorhergesagt. Hohe Abweichungen der Prognosen sind im Mai üblich, allerdings sind sie selten so groß gewesen wie dieses Jahr.

Börse in Chicago reagiert in hellgrün

Die US-Medien werten die Zahlen zwar als „Tanz mit dem Bär“. Andererseits wissen aber alle Marktteilnehmer, dass demnächst die Wettermärkte das Blatt wenden können. Die Börse in Chicago reagiert bei Weizen unbeeindruckt und zeigt beim Weizenkurs eine hellgrüne Entwicklung. (db)
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