Dilemma

Moskau will Exporte bremsen

Der Kursverfall des russischen Rubel gegenüber dem US-Dollar ist Segen und Fluch zugleich. Segensreich wirkt er auf die Getreideexporte, bei denen Russland wettbewerbsfähiger denn je am Weltmarkt antreten kann. Die hohen Exporte treiben jedoch den Preis im Inland. Hier geht den Verbrauchern durch die hohe Inflation zusätzlich Kaufkraft verloren. Seit Wochen gibt es Gerüchte, dass die Moskauer Regierung die Exporte drosseln könnte. Der russische Agrarminister hat zwar Ende voriger Woche offiziell ein Exportverbot ausgeschlossen, berichten die Nachrichtenagenturen. Großen Interpretationsspielraum lässt jedoch seine Äußerung, dass der starke Anstieg der Getreideexporte "alarmierend" sei.

Die offiziellen Statistiken weisen aus, dass seit Juli bis Mitte voriger Woche Russland mehr als 18 Mio. t Getreide am Weltmarkt verkauft hat. Die Menge ist um ein Drittel höher als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Förderlich für die hohen Exporte ist die üppige Ernte 2014, die das Agrarministerium in Moskau zurzeit auf 104 Mio. t beziffert. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium geht zurzeit von 100 Mio. t aus.

Die russischen Verbraucher jedoch spüren vom reichen Erntesegen wenig. Im Inland führt die rege Nachfrage der Exporthändler dazu, dass Brot teuer wird. Die Inflation von etwa 10 Prozent verschärft die Situation. Nach einem Bericht des Moskauer Büros von APK-Inform erwägt Russlands Agrarminister Nikolaj Fedorow jetzt, den Mindestpreis für die russische Getreideintervention anzuheben. Als andere Möglichkeit soll laut APK-Inform im Raum stehen, dass inländische Getreideverarbeiter günstige Kreditkonditionen für ihre Getreideeinkäufe erhalten.

Ein Exportverbot für Getreide soll der Minister jedoch ausgeschlossen haben. Es wäre auch nicht konform mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO), der Russland 2012 beigetreten ist. Zuletzt hatte das Land 2010 die Getreideexporte gestoppt. Die Moscow Times weist allerdings darauf hin, dass aus dem Ministerium auch schon Aussagen zu hören gewesen seien, dass Russland 2015 "als letztes Mittel" variable Exportzölle einführen könnte, wenn die Getreideversorgung im Inland gefährdet erscheint. (db)
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