Frachtraten

Neue Schiffe drücken die Preise


Baltic Dry Index
Der Baltic Dry Index (BDI) wird von der Baltic Exchange in London veröffentlicht und ist ein wichtiger Preisindex für das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern auf Standardrouten. Er wird aus den standardisierten Angaben verschiedener Marktteilnehmer ermittelt. Hauptfrachtgüter sind Kohle, Eisenerz, Zement, Kupfer, Kies, Dünger, Kunststoffgranulat und Getreide. Die Indexentwicklung beeinflussen neben den Schwankungen des zur Verfügung stehenden Schiffsladeraums auch Hafenkapazitäten sowie saisonale Schwankungen wie Erntezyklen und Jahreszeiten. Der Index wird an der Baltic Exchange nicht gehandelt. Die Frachtraten werden ausschließlich aus den Angaben von Schiffsmaklern, Reedern und Charterern ermittelt. In den Preis fließen nur die reale Nachfrage und das reale Angebot für den Transport von Rohstoffen auf Standardrouten ein. (SB)
Die Frachtraten für Schüttgüter wie Kohle, Erze, Dünger, Getreide und Soja sind so niedrig wie lange nicht. Der von der Baltic Exchange in London veröffentlichte Baltic Dry Index (BDI) notierte am vergangenen Freitag auf dem niedrigsten Stand seit seiner Einführung im Jahr 1984. Mit 498 Punkten war der BDI erstmals unter die 500-Punkte-Marke gefallen. Bis gestern erholte sich der BDI wieder auf 546 Punkte. Vor einem Jahr stand er noch bei rund 1.800 Punkten.

Niedrige Frachtraten im weltweiten Schiffsverkehr werden von Volkswirten oft als ein Anzeichen für eine lahmende Weltwirtschaft interpretiert. Aber auch wenn sich die globale Konjunktur derzeit verlangsamt, sehen Fachleute aktuell vor allem eine andere Ursache für Rückgang der Transportkosten: Hauptgrund für den Preisverfall sei ein Überangebot an Schiffsraum, erklärt Michael Tasto vom Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) auf Anfrage von agrarzeitung.de.

Handel mit Schüttgütern sehr dynamisch

In den Jahren 2007 und 2008, als der BDI auf mehr als 9.000 Punkte angestiegen war, hätten die Reeder hohe Gewinne erzielt, die in den Ausbau der Flotte investiert wurden. Diese neuen Schiffe seien in den vergangenen Jahren in Dienst gestellt worden und haben das Angebot massiv vergrößert. Tasto rechnet deshalb damit, dass die Frachtraten kurzfristig unter Druck bleiben dürften. Problematisch sei auch, dass die Werften aufgrund ihrer eigenen Überkapazitäten derzeit mit niedrigen Neubaupreisen Anreize für weitere Bestellungen bieten würden.

Wie hier in Brake an der Weser profitieren die Hafenstandorte von den niedrigen Schiffsfrachten.
-- , Foto: SB
Wie hier in Brake an der Weser profitieren die Hafenstandorte von den niedrigen Schiffsfrachten.
Der Welthandel mit Schüttgütern habe sich in den vergangenen Jahren mit Wachstumsraten um sieben Prozent im langfristigen Vergleich sogar überdurchschnittlich dynamisch entwickelt, so der Experte weiter. Im Jahr 2015 habe sich das Wachstum allerdings deutlich verlangsamt. China habe seine Kohleimporte eingeschränkt und auch die Einfuhren von Eisenerz stagnieren. „Dies hilft natürlich nicht bei der Markterholung", so Tasto.

Auch wenn die Fundamentaldaten kurzfristig gegen steigende Frachtraten sprechen, können die Preise zeitlich und regional begrenzt stark schwanken. „Wenn an einem Ort der Schiffsraum knapp ist, wirkt sich das sofort auf die Frachtraten aus“, erläutert Tasto. (SB)
stats